Mewes 438 und Wimer 461 verstorben

Überaus traurige Neuigkeiten machen im Moment die Runde in der Friesenszene.
Am 24.03.2021 verstarben sowohl der 17-jährige, in Südafrika stationierte Mewes 438 (Teeuwis 438 x Oege 267 P) als auch der erst 14-jährige Wimer 461 (Hinne 427 x Heinse 354 P) jeweils an den Folgen einer Kolik. Beide Hengste standen noch aktiv im Deckdienst und waren bei den Züchtern durchaus beliebt.

Der 2004 geborene Mewes 438 war 2017 Kampioen der älteren Hengste auf der HK und deckte in seiner Karriere beinahe 700 Stuten. Mit rund 47% Sterstutenanteil, sowie 5 Kroon- und einer Modeltochter trug der Hengst aus Stam 082 sehr positiv zur Zucht bei.
2017 übersiedelte Mewes 438 nach Südafrika.

Mewes 438 – Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de

Wimer 461, geboren 2007, war aufgrund seiner auffällig imposanten Statur und seiner beeindruckenden Trabaktion für mich persönlich jedes Jahr ein Highlight auf der HK. Mit ca. 750 Deckungen im Laufe seiner Karriere sorgte Wimer 461 für reichlich Nachwuchs, darunter finden sich derzeit 2 Kroonstuten sowie 4 Sport-Nachkommen. 2015 wurde sein Sohn Nane 492 für den Deckdienst angekört, der heute als ausgesprochen starker Vererber gilt.
Unter den Töchtern von Wimer 461 erhielten bislang rund 41% ein Sterprädikat.

Wimer 461 – Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de

Fetse 349 in Südafrika verstorben

Das südafrikanische Gestüt “Quantum Stud” hat in einem Facebook-Posting bekannt gegeben, dass der 27-jährige Fetse 349 (Feitse 293 P x Djurre 284) kurz vor seinem 28. Geburtstag verstorben ist.

Fetse 349 wurde 1993 geboren und erhielt 1996 seine Decklizenz. Besonders in seinen ersten Deckjahren erfreute sich der Hengst aus Stamm 133 durchaus großer Beliebtheit bei den Züchtern, insgesamt brachte er es im Zuge seiner langen Karriere als Deckhengst auf beinahe 1700 Decksprünge. Er stammt aus einer erfolgreichen Tuigpaard-Familie und erreichte auch selbst ansehnliche Erfolge und das Sportprädikat in dieser Disziplin. Nach vielen Jahren in den Niederlanden fand Fetse 349 im Jahr 2011 seine neue Heimat in Südafrika. Seine letzte Saison absolvierte er im Jahr 2016, seither genoss er seine Rente.

FB-Post von Quantum Stud, 16.02.2021

Vier Söhne von Fetse 349 wurden für das Stammbuch gekört, allerdings erlangten nur zwei davon – Teeuwis 389 (1998 – 2016) und Wobke 403 (1999 – 2018) – auch ein Deckbrevet auf Lebenszeit. Seine Söhne Time 398 und Ymte 407 wurden hingegen abgekört.
Mit Mewes 438 (v. Teeuwis 389) und Tjaarda 483 (v. Time 398) sind derzeit zwei Enkel von Fetse 349 als Deckhengste im KFPS aktiv.

Insgesamt betrachtet war Fetse 349 ein überaus erfolgreicher Vererber – er hinterlässt 200 Ster-, 2 Kroon- und 7 Model-Töchter sowie 8 Nachkommen mit dem Sportprädikat. Unter seinen Töchtern liegt der Steranteil damit bei satten 46,9%.
Interessanterweise findet sich bislang keine Hengstmutter unter den Nachkommen von Fetse 349, er schlägt aber als MMV von Hette 481 (Norbert 444 P x Rindert 406) sowie als MMMV des umstrittenen Boet 516 (Jouwe 485 x Uldrik 457) zu Buche.

Mit Fetse 349 verstarb auch der letzte noch lebende, gutgekörte Sohn des berühmten Feitse 293 P, welcher mit seinen 6 gekörten und teils hocherfolgreichen Söhnen eine regelrechte Dynastie hinterließ.

Doaitsen 420 verstorben

Gestern Abend verbreitete sich über Social Media die Meldung, dass der 20-jährige Doaitsen 420 (Wander 352 x Reitse 272 P) in den USA verstorben ist.

Doaitsen 420 – Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de

Doaitsen 420 war zeitlebens ein besonderer KFPS-Deckhengst, der zu polarisieren vermochte. Einerseits galt er aufgrund seiner Blutführung und seines niedrigen Verwandtschaftsgrades (2021: 17,1%) als Ausnahmehengst und hält bis heute den Rekord der meisten Decksprünge in einem Jahr (419 Deckungen im Jahr 2009), andererseits gelten seine Nachkommen – glaubt man dem Buschfunk – als zu temperamentvoll und schwierig, was oft auf eine Stute in Doaitsens Mutterlinie zurückgeführt wird, deren Abstammung unbekannt ist.

Der in den USA geborene Doaitsen 420 wurde im Jahr 2004 gekört, 2009 legte er erfolgreich seine Abstammungskörung ab. Im Zuge seiner langen Deckkarriere wurden fast 2000 Nachkommen von diesem Hengst geboren, darunter 4 Stammbuchhengste (Sake 449, Sjouke 453, Bene 476 und Gerben 479), beinahe 210 Stertöchter, 18 Kroon- und 5 Modelstuten (Ster%: 48,3%).

Doaitsen 420, der einige Jahre in den Niederlanden stationiert war, kehrte 2011 in die USA zurück und verbrachte seine letzten Jahre als Deckhengst auf Maddi’s Friesian Ranch in Nevada.

Mit ihm verliert das Stammbuch einen kontroversiell diskutierten Hengst, der nichtsdestotrotz einen kaum zu unterschätzenden Beitrag für die KFPS-Friesenzucht geliefert hat. Durch ihn und seine Söhne werden seltene Blutlinien weitergetragen, die ohne Doaitsens durchschlagenden Erfolg für immer verloren gegangen wären.

Paard van het jaar 2020: Friesen Exklusiv Wirdmer

Das KFPS-Pferd des Jahres 2020 kommt (zumindest zum Teil 🙂 ) aus Österreich!

Friesen Exklusiv Wirdmer (Stb-Name Wirdmer fan ‘e Boppelannen Vb Ster Sport-Elite) hat es geschafft – durch seine großartigen Sporterfolge in der Dressur unter Lisanne Veenje, konnte der 13-jährige Hengst (Beart 411P x Jillis 301) genug Zustimmung auf sich vereinen, um zum “Paard van het jaar 2020” ausgerufen zu werden,
Herzliche Gratulation an Familie Prexl aus Österreich, unter deren Fittichen der Ausnahmehengst zuerst in Österreich und später in den Niederlanden seine Sport-Meriten sammeln konnte.

Jorn 430 verstorben

Gestern vermeldete phryso.com das Ableben des 17-jährigen Jorn 430 Sport-Elite (Fabe 348 P x Feitse 293 P).
Der 2003 bei Fam. Ruiter in Nij Beets geborene Hengst war ein wertvoller Vererber, war er als Sohn des preferenten Fabe 348 doch einer von wenigen Deckhengsten aus der raren Age-Linie.

Jorn 430 machte vor allem als Sportpferd von sich reden – u.a. unter Ingeborg Klooster war er bis in die Dressurklasse Grand Prix startberechtigt und feierte regelmäßig im Viereck Erfolge. Dieses Sporttalent gab er auch vielfach an seine Nachkommen weiter, wenngleich seine Eigenschaften als Exterieurvererber nicht hervorstechen. Neben seinem 2016 über den VO gekörten Sohn Elias 494 (x Maiko 373) hinterlässt Jorn 430 eine Kroon- und eine Modeltochter.

Wahl zum “Pferd des Jahres 2020”

Seit einigen Jahren hat es Tradition, dass zu Jahresende das KFPS-“paard van het jaar” gewählt wird, welches dann im Zuge der Hengstenkeuring dem Publikum präsentiert wird.
Die Entscheidung wird dabei durch ein Zusammenspiel von Publikumsstimmen und einer Fachjury getroffen.

Für das Jahr 2020 wurden – trotz der Pandemie – folgende vier Pferde nominiert:

Wyp van ‘t Lansink Model Sport Pref Prest AAA
Züchter/Besitzer: Rinus Loman & Carla Nijdam

Die Beart 411 P x Maiko 373 gezogene Wyp van ‘t Lansink wurde 2007 geboren und zählt mit ihrer beeindruckenden Sammlung von Prädikaten zu den besten Zuchtstuten des Stammbuchs – trotz ihrer erst 13 Lebensjahre.
Durch den Einsatz von Embryotransfers wurden bis dato bereits 13 Nachkommen aus dieser Stute registriert – darunter 4 Sterstuten (3 davon mit 1. Premie!), eine Stb-Stute und ein Vb Ster-Hengst.
Wyp van ‘t Lasnink selbst wurde 3-jährig Ster erklärt und holte 2012 das Kroon-Prädikat. Ihre Modelerklärung folgte 2014, 2016 erreichte sie das Sportprädikat. Weitere zwei Jahre später – 2018 – reichten die Sporterfolge ihrer ersten Nachkommen, um ihr das prestatiemoeder-Prädikat zu sichern, seit 2019 ist sie darüber hinaus preferent.
2011 trat sie darüber hinaus in einer IBOP unter dem Sattel an, in der sie ein ansehnliches Ergebnis von 85,5 Punkten ablieferte.
Damit ist diese Stute eine echte Leistungsträgerin und eine verdiente Nominierte für das “paard van het jaar“.

Wirdmer fan ‘e Boppelannen Vb Ster Sport-Elite a.k.a. Friesen Exclusiv Wirdmer
Züchter: Marten v.d. Meer
Besitzer: Familie Prexl, Österreich

Die Nominierung dieses Hengstes ist für mich ganz persönlich natürlich ein großer Grund zur Freude und man kann unschwer erraten, an wen meine Stimme geht :).
Wirdmer fan ‘e Boppelannen wurde 2007 geboren, er ist ein Sohn von Beart 411 P und das letzte Fohlen der berühmten Hinke F. Ster Pref Prest (Jillis 301 x Reitse 272 P).
Nach seiner Teilnahme an dxer 2. Besichtigung kam Wirdmer nach Österreich und zog in den Stall von Familie Prexl, wo er fortan als vielversprechendes Dressurpferd gefördert wurde.
Unter Ralph Buchberger startete er auf den ersten Dressurturnieren in Österreich und war aufgrund seiner Erfolge bald im ganzen Land als “der Dressurfriese” bekannt.
2014 holte er das Sport-Prädikat und 2017 war er einer der ersten Friesen, denen das damals frisch ins Leben gerufene Sport-Elite verliehen wurde.
Um seine Sporttalente weiter zu fördern ging Wirdmer 2018 zurück in die Niederlande, um von Lisanne Veenje trainiert und vorgestellt zu werden.
Unter der jungen Niederländerin feiert der imposante Hengst seither einen Erfolg nach dem anderen und gehört absolut zurecht zu den Aushängeschildern des Friesenpferdes im internationalen Dressursport.

Friesen Exclusiv Wirdmer Vb Ster Sport-Elite – damals noch unter Ralph Buchberger in Amstetten/NÖ

Melle van de Lits Vb Ster A aka Melcher fan de Pikestjelp
Züchter: Aise Bouma
Besitzer: Albert Minkema

Trotz der überaus kurzen Tuigsaison 2020 konnte ein Hengst durch besonders ansehnliche Leistungen von sich reden lassen: der 8-jährige Melcher fan ‘e Pikestjelp (Wimer 461 x Jasper 366 P), der unter dem Namen Melle van de Lits als Sportpferd auftritt.
Die Jury war von seiner Schulterfreiheit, seiner raumgreifenden Vorhand und seinem kraftvollen Hinterbein angetan, was ihm eine Nominierung für das “paard van het jaar” einbringt.

Gea v.d. Slothoeve Model Sport AAA
Züchter: Cees Breimer
Besitzer: Kirsty Baldwin, UK

Die 2010 geborene Gea v.d. Slothoeve wurde dieses Jahr im Zuge der Locatiekeuringen mit dem Model-Prädikat ausgezeichnet und vom Publikum zur schönsten Modelstute des Jahres erklärt, wo sie sich gegen 15 großartige Konkurentinnen durchsetzte.
Die Maurits 437 x Gradus 356 gezogene Gea wurde 2014 Ster erklärt, 2017 holte sie sich das Kroon-Prädikat. Seit 2018 trägt sich darüber hinaus den Titel Sport und konnte in diesem Jahr ihre bisherige Karriere mit dem Model bekrönen.
2014 lief sie eine ABFP mit 79,0 Punkten unter dem Sattel und 80,0 Punkten im Mennen, 2019 brachte sie ihr erstes Fohlen zur Welt.

Die Publikumsabstimmung zum “paard van het jaar 2020” läuft noch bis 31.12.2020, abgestimmt werden kann unter https://www.phryso.com/paard-van-het-jaar2020/ .

FriesenFokus: KFPS-Preferenthengste – Vererber, die die Friesenzucht prägten (Teil 4)

Friesenfokus Preferenthengste

Es ist die höchste Ehrung, die einem KFPS-Deckhengst zu Teil werden kann – das Preferent-Prädikat. Vergeben wird dieser Ehrentitel seit jeher nur an die Vererber, die durch die Leistungen ihrer Nachkommen im Übermaß bewiesen haben, dass ihr Einfluss auf die KFPS-Friesenzucht von prägender Bedeutung ist – dem zu Grunde liegt ein umfassender Berechnungsvorgang, der sowohl die Anzahl registrierter Nachkommen berücksichtigt, als auch deren aufgrund von Prädikatsvergaben nachvollziehbare Leistungen hinsichtlich Exterieur (Ster, Kroon, Model, Stb-Hengst), Vererbungsleistung (Preferent, Prestatiemoeder, Hengstenmoeder) und Sportleistung (Sport, Elite-Sport).

Die ausgehenden 1970er-Jahre und beginnenden 1980er bedeuteten für die KFPS-Friesenzucht eine regelrechte Renaissance.
Die Wirtschaft in Europa und somit auch in den Niederlanden boomte nach den langen, kargen Jahrzehnten, die der Kontinent im Schatten zweier Weltkriege gedarbt hatte – und damit auch die Zucht von Pferden, deren Qualitäten abseits vom landwirtschaftlichen Gebrauch lagen. Es waren diese Jahre, die den Grundstein für das Wiederaufleben des Friesenpferdes im ursprünglichen Typus legten und in denen die Rasse weg vom behäbigen “Tulpentreter” zum hocheleganten Karossier- und später auch Reitpferd entwickelt wurde. Im Gros der damaligen Friesenpopulation war davon freilich noch wenig zu sehen, doch die strenge Hengstenselektion seitens des KFPS tendierte bereits merklich in die oben beschriebene Richtung, was sich auch in den sich später als Stempelhengste erweisenden Beschälern widerspiegelte.
Nicht zuletzt führte die blühende Wirtschaft aber auch zu einer Verbreiterung des Pferdemarktes – das Pferd als Nutztier mochte durch die fortschreitende Technologisierung von Landwirtschaft und Verkehr zwar ausgedient haben, doch die bessere wirtschaftliche Lage des Einzelnen erlaubte nun wieder zunehmend, Pferde auch als Haustiere, Sportpartner und Freizeitgefährten zu betrachten.
Dies spiegelt sich auch in den Deckzahlen wider – 1980 übersprang die Anzahl der vom KFPS registrierten Bedeckungen erstmals die magische Grenze von 1000 – ein Trend, der sich bis weit in die 1990er fortsetzen sollte.


Naen 264 Preferent
11.04.1976 – 01.01.2003, Ferdinand 252 x Kerst 190 P x Held 140, Stam 034

Naen 264 P, der 1976 als Nathan in der Nähe des friesischen Ortes Blauwhuis geboren wurde, wurde im März 1979 als Deckhengst angekört. Bereits zu Beginn seiner Deckkarriere fiel der modern und sportlich gebaute Hengst, der für damalige Verhältnisse recht hochgewachsen war (165 cm Stkm.) auch den Züchtern ins Auge, die ihn im Laufe seiner 17 Jahre andauernden Karriere als Deckhengst reichlich nutzten.
Naen 264 P ist der einzige gutgekörte Sohn von Ferdinand 252 (Tsjalling 253 P x Ritske 202 P), welcher recht stringent innerhalb der damals noch recht stark vertretenen Ritske-Linie gezogen worden war. Mütterlichseits trug Naen 264 P über seine Mutter Truus Model Pref (zum Zeitpunkt seiner Geburt bereits 20 Jahre alt) die Gene des sehr unverwandt gezogenen Kerst 190 und damit einer Hengstlinie, deren letzter direkter Abkömmling bereits Mitte der 1960er Jahre abgekört wurde. Neben Naen 264 P hatte die überaus erfolgreiche Truus noch zwei weitere Söhne im Deckdienst – den 1976 abgekörten Zjeord 239 (v. Kasper 229) sowie den 1971 geborenen Dagho 247 (v. Tsjalling 235 P), welcher durchaus erfolgreich bis zu seinem Tod 1996 als KFPS-Deckhengst Dienst tat. Darüber hinaus zeichnet sich die Modellstute bis heute als Begründerin einer schier unüberschaubaren Stutlinie innerhalb des Stutenstammes 034 aus, aus welcher zahlreiche Prädikatspferde hervorgingen.

Naen 264 P schaffte, was nur wenigen Deckhengsten des KFPS vergönnt ist – er hinterließ ein bis heute reichendes Vermächtnis und drückte der Friesenzucht insbesondere hinsichtlich Sportveranlagung seinen Stempel auf. Im Laufe seiner Deckkarriere zeugte er 6 als KFPS-Deckhengste registrierte Söhne (Walter 282, Foppe 290, Barteld 292, Hannes 296, Jakob 302 Sport & Ludse 305), deren Hengstnachkommen heute den allergrößten Teil der rezenten Deckhengste in der Ritske-Linie ausmachen. Besonders Barteld 292 konnte über seine Söhne Pyt 325 und dessen heute in Deutschland stationierten Sohn Gjalt 426, sowie Wander 352 und dessen überaus erfolgreichen Nachkommen Doaitsen 420 einen wichtigen Beitrag zur Friesenzucht leisten. Unter anderem in den Pedigrees der Halbbrüder Omer 493 (Gjalt 426 x Karst 362) und Wolter 513 (Fabe 348 P x Karst 362) trägt der Einfluss von Naen 264 P (er schlägt als MV der verdienten Doppel-Hengstmutter Zandra fan Bartlehiem Ster Pref zu Buche) darüber hinaus auch heute noch zu einer breiten Blutstreuung innerhalb der modernen Friesenzucht bei.

Die Stutnachkommen von Naen 264 P zeichneten sich ebenfalls durch hohe Qualität aus – bei 325 im Stammbuch registrierten Stuten erreichten seine Töchter einen Ster-Prozentsatz von beinahe 43%, 5 Stuten erhielten das Modelprädikat, weitere 35 haben bis heute durch außerordentliche Zuchtleistung das begehrte Preferent-Prädikat erreicht, 5 Naen 264-Töchter sind darüber hinaus Prestatiemoeders.

Naen 264 P kann ohne Weiteres als Begründer einer ganzen Linie moderner, sportlicher KFPS-Friesen gesehen werden – sein durchschlagender Einfluss als Stempelhengst ist bis heute sichtbar.

Naen 264 wurde 2008, lange nach seinem Ableben, posthum Preferent erklärt.


Oege 267 Preferent
17.04.1977 – 10.11.1998, Wessel 237 P x Hindrik 222 x Age 168, Stam 002

Oege 267 P (ndl. ausgesprochen ~ “Uche” und nicht wie im deutschsprachigen Raum vielmals gehört “Öge” 🙂 ) wurde im März 1980 als KFPS-Deckhengst angekört und trat seinen Dienst in Tjerkgaast auf der Station von Fr. de Jong an. Der damals 3-jährige Hengst bestach durch einen außerordentlich schönen Rassetyp und viel Behang, wie sich auch heute noch anhand alter Aufnahmen belegen lässt. Der Sohn von Wessel 237 P (siehe Teil 3 dieser Serie) war lang als Deckhengst im Einsatz und gehörte in dieser Zeit über ein ganzes Jahrzehnt hinweg zu den beliebtesten und am häufigsten genutzten KFPS-Vererbern, was die mehr 1800 Decksprünge in seinem langen Leben beweisen.
Mütterlicherseits stammte Oege 267 P aus der 1968 geborenen Wieske Ster Pref (sehr interessant aus Hindrik 222 x Age 168 gezogen). Oege war der erste Sohn dieser Stute, welche im Laufe ihrer Zuchtkarriere noch 13 weiteren Fohlen das Leben schenken sollte und aus deren Nachkommenschaft sich die Hengstmütter von Sytse 385, Take 455 und Wolfert 467 rekrutieren.

Unter den Hengstnachkommen von Oege 267 P finden sich nicht weniger als 7 gekörte KFPS-Deckhengste, von denen nur einer (Wibe 402) abgekört wurde. Sein erster gekörter Sohn, Ritse 322 ist über den 2018 verstorbenen Wikke 404 der Großvater des überaus sportbegabten Aarnold 471 Sport-Elite. Danach folgten Remmelt 323 und der kurz nach seiner Ankörung verstorbene Tieme 330, die sich in direkter Linie nicht bis heute durchsetzen konnten. Als 4. Sohn von Oege 267 P wurde 1995 der immer noch weithin bekannte Anton 343 Sport angekört, welcher 2016 ebenfalls Preferent erklärt wurde und 2018 im stolzen Alter von 26 Jahren in den USA verstarb.
Danach folgte der ebenfalls jung verstorbene Jitse 361, ehe 1999 mit Lolke 371 Sport jener Hengst angekört wurde, dessen direkter Nachfahre Alwin 469 Sport (Felle 422 x Tsjerk 328 P) heute zu den beliebtesten KFPS-Deckhengsten zählt.
Mit diesem großen Vermächtnis an direkten Hengstnachkommen konnte Oege 267 P seinen höchstpersönlichen Zweig im KFPS-Hengstenstammbaum verewigen, welcher wohl aufgrund der Popularität – insbesondere von Alwin 469 – so schnell nicht erlöschen wird.

Ausschnitt HSB Oege 267

Ausschnitt aus dem KFPS-Hengststammbaum / direkte Linie auf Oege 267 P

Doch auch als “Stutenmacher” konnte Oege 267 P sich behaupten. Seine zahlreichen Töchter erreichen einen Steranteil von fantastischen 54,35%, das KFPS zählt darunter 11 Modelstuten, 72 (!!!) preferente Stuten und 11 Leistungsmütter (Prest). Kaum verwunderlich liegt Oege 267 P damit in Sachen Preferentschafts-Punkten bis heute in den vordersten Rängen.
12 seiner Töchter lieferten darüber hinaus ihrerseits KFPS-Deckhengste, darunter der ebenfalls preferente Brandus 345, der leider viel zu früh verstorbene Harmen 424 und der schöne Mewes 438. Als MMV steht Oege 267 im Papier von weiteren 14 KFPS-Hengsten, im Pedigree von Alwin 469 findet man ihn dadurch sowohl in direkter Vaterlinie als auch in der Mutterlinie.

Oege 267 wurde 1996 noch zu Lebzeiten Preferent erklärt.


Reitse 272 Sport Preferent
09.05.1978 – 13.02.1995, Hearke 254 P x Hotse 223 x Eelke 183, Stam 022

Der 1978 geborene Reitse 272 P wurde im Februar 1982 gemeinsam mit seinem Vollbruder Tys 274 als Sohn des später als “König der Friesen” bekannt gewordenen Hearke 254 P in den Deckdienst beordert. Der außergewöhnlich schöne Hengst, der durchaus Ähnlichkeiten zu seinem sehr rassetypischen Vater erkennen ließ, wurde von den Züchtern bereits am Anfang seiner Deckkarriere gerne angenommen und erreichte so im Laufe seiner aktiven Deckkarriere, welche mit seinem relativ frühen Tod (17 Jahre) 1995 endete, auch beachtliche Deckzahlen.
Seine Mutter war die sehr gut züchtende Pauliene Ster Pref (gezogen Hotse 223 x Eelke 183 und damit stark in der Ritske-Linie verankert), welche insgesamt 14 Fohlen zur Welt brachte.

Reitse 272 P brachte insgesamt 7 vom KFPS anerkannte Deckhengste, von denen wiederum 3 abgekört wurden (Obe 314, Tjitte 333 & Reyert 337). Unter den verbleibenden vier Söhnen, welche auf Abstammung gutgekört werden konnten, finden sich dafür aber gleich zwei ganz große Namen – nämlich die der beiden Preferenthengste Olof 315 und Brandus 345, denen ich mich in späteren Kapiteln dieser Serie en detail widmen möchte. Die beiden weiteren gutgekörten Söhne von Reitse 272 sind Anne 340 Sport und Abel 344.

Doch auch über seine Töchter konnte Reitse 272 P gehörigen Einfluss auf die moderne Zucht des KFPS nehmen. Ganze 15 Hengstmütter finden sich unter seinen Töchtern (darunter die Mütter von Ulke 338, Lolke 371, Eibert 419 und Doaitsen 420), als MMV schlägt er sich in den Stammbäumen weiterer 6 Deckhengste nieder (z.B. in denen von Epke 474 und Fonger 478). Von seinen 441 im KFPS-Stb registrierten Töchtern erreichten 46% ein höherwertiges Stutprädikat, die Statistik weist 192 Sterren und 11 Modeltöchter aus. 37 seiner Töchter haben inzwischen die Preferentschaft erreicht, 2 konnten sich als Prestatiemoeders etablieren. Durchaus erwähnenswert für einen Hengst dieser Generation sind auch die 17 registrierten Sport-Nachkommen – eine unüblich hohe Zahl für einen Vertreter dieser Zeit und auch ein Indikator für die außergewöhnliche Sportveranlagung, die der selbst im Tuigsport erfolgreiche Reitse 272 P an seine Nachkommen weitergegeben hat. Besonders hinsichtlich der Verbesserung des Schritts in der Friesenpopulation legte dieser Hengst einen wichtigen Grundstein, welcher v.a. über seinen Sohn Olof 315 und in weiterer Linie über Jasper 366 und Beart 411 weiter verankert wurde.

Reitse 272 wurde 1996 posthum Preferent erklärt.


Im nächsten Teil dieser Serie möchte ich mich den Preferenthengsten widmen, deren Einfluss ganz unmittelbar bis heute spürbar ist – dahingehend stehen die großen Namen Feitse 293, Leffert 306, Olof 315, Tsjerk 328 und Teunis 332 auf dem Programm, die allesamt große Spuren hinterlassen haben und deren direkte Nachkommen auch heute noch eine aktive und wichtige Rolle in der Friesenzucht spielen.

Teil 1, Teil 2 und Teil 3 dieser Serie sind auf den jeweiligen Seiten nachlesbar.

 

Große Verluste: Ulke 338, Sape 381 & Rindert 406 verstorben

In den letzten Monaten musste die Friesenwelt einige traurige Verluste hinnehmen.

Bereits am 27.01.2020 schlief in den USA der weithin bekannte Sape 381 Sport für immer ein. Geboren 1997 als Sohn des später preferenten Fabe 348 P und der Ausnahmestute Olcha Model Pref Prest (Feitse 293 P x Naen 264 P), begann die Deckkarriere für Sape 381 im Jahr 2000, als er mit sehr guten Noten für das Stammbuch akkreditiert wurde.
Bereits kurz nach seiner Gutkörung wurde der schöne Sape 381 zum besten Hengst des Stammbuchs auserkoren – er wurde Sieger der KFPS-Hengstenkeuring 2001. Zwar konnte er diesen Titel nicht verteidigen, entschied jedoch 2002 und 2004 die Reserve-Kampioenschap für sich.
20 Jahre lang deckte Sape 381 – zuerst lange Zeit in den Niederlanden, 2010 erfolgte dann sein Umzug in die USA, wo er auf der Signature Friesians Farm in Kansas seinen Deckdienst absolvierte. Insgesamt gehen mehr als 1700 Deckungen auf das Konto dieses Ausnahmehengstes.
Interessanterweise schaffte trotz seiner sehr guten Vererberqualitäten nie ein Sohn von Sape 381 den Sprung in das KFPS-Stammbuch. Umso beeindruckender lesen sich die vielen Meriten seiner Töchter: ganze 4 Model- und 6 Kroonstuten gehen auf das Konto von Sape 381, darüber hinaus ist er der Muttervater der Hengste Thorben 466, Gerben 479 und Siert 499, sowie der MMV des vielversprechenden Tymen 503.
Der Anteil an Sterstuten unter seinen Töchtern liegt stabil bei über 50%, darüber hinaus konnten 25 Sape 381-Nachkommen das Sport-Prädikat erringen, darunter 3 Elite-Sportpferde.

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Sape 381 – Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de

 

Am 8.März 2020 verstarb der 23-jährige Rindert 406 Sport bei Rudi Rienstra (Deckstation De Terpen) im niederländischen Wommels, wo der beliebte Deckhengst sein ganzes Leben verbracht hatte. Der 1997 geborene Hengst – gezogen aus einer sterpreferenten Jochem 259-Tochter – war neben Brend 413 der einzige auf Abstammung gutgekörte Sohn des Preferenthengstes Brandus 345.
Rindert 406 erreichte im Zuge seiner 2002 abgelegten Hengstleistungsprüfung hervorragende Noten in der Rij- und Tuigproef und galt bis zu seinem Tod als hervorragender Vererber von sowohl Exterieur- als auch Gebrauchsqualität.
Rindert 406 wurde trotz seiner durchaus positiven Vererbungsqualitäten nur mäßig in der Zucht eingesetzt – in 17 Deckjahren brachte er es auf knapp unter 900 Decksprünge, aus welchen u.a. ein gutgekörter Sohn – Wylster 463 Sport-Elite – sowie derzeit 8 Kroon-Stuten entsprungen sind. Seine Töchter bringen es im Mittel auf einen hohen Prozentanteil Sterren (~50%), 20 Nachkommen von Rindert 406 tragen bislang das Sportprädikat, 4 weitere konnten das Sport-Elite erringen.
Als Muttervater schlägt Rindert 406 in den Stammbäumen der beiden äußerst vielversprechenden Hengste Hette 481 und Teun 505 zu Buche.
Auch wenn Rindert 406 insbesondere in seinen letzten Lebensjahren keine Deckrekorde mehr brechen konnte, war er doch ein Grand Monsieur unter den profilierten Althengsten.

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Rindert 406 – Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de

Nur 10 Tage nach Rindert 406 verstarb ein weiterer großer Name der KFPS-Hengstenriege. Der 30-jährige Nestor des Stammbuchs, Ulke 338 Sport, schloss für immer die Augen und folgte damit seinem Sohn Olgert 445 Sport-Elite nach, der im Vorjahr im jungen Alter von 15 Jahren verstorben war.
Ulke 338 wurde 1990 geboren und 5-jährig als Deckhengst angekört. Er war der einzige gutgekörte Sohn von Tjimme 275.
Der junge Ulke 338 machte vor allem aufgrund seiner herausragenden Leistungen im Tuigsport von sich reden, lange Jahre galt er als der erfolgreichste Friese vor der Sjees.
Bis ins hohe Alter konnte Ulke 338 das Publikum noch begeistern – zu seinem 25. Geburtstag verzauberte er ein letztes Mal die Massen auf der Hengstenkeuring 2015, wo ihn sein Züchter Obe Mous noch ein letztes, unvergessliches Mal an den langen Leinen durch die Halle paradieren ließ.
Ulke 338 verbrachte seinen Lebensabend in seinem Heimatstall bei Willem Wester, wo er sein gesamtes Leben als Deckhengst gestanden hatte.

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Ulke 338 auf der HK 2015 – Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de

Fridse 423 verstorben

Wie die in Michigan / USA beheimatete Hengststation “Friesian Connection” gestern Abend auf Facebook verlautbaren ließ, ist der erst 17-jährige Fridse 423 am 30. Oktober nach längerer veterinärmedizinischer Behandlung verstorben.

Fridse 423 wurde am 26.04.2001 in den Niederlanden geboren, er war ein Sohn des berühmten Teunis 332 P aus der Nammen 308 x Jochem 259 P gezogenen Lobke Y. Ster Pref (1995 – 2015).

Als typischer Teunis 332-Sohn war Fridse ein großer, imposanter Hengst mit mächtiger Halsung und hoher Aufrichtung – sein Typ war insbesondere Mitte der 2000er-Jahre sehr gefragt und so war auch die Nachfrage nach dem 2005 gekörten Fridse 423 am Anfang seiner Zuchtkarriere recht groß. Mit seinem Verkauf in die USA stagnierte die Nachfrage der Züchter zwar aus logistischen Gründen stark, dennoch deckte Fridse bis zu seinem Lebensende in für einen in den USA stationierten Althengst durchaus beachtlicher Menge, trotzdem er einen unüblich hohen Anteil an weißen Abzeichen vererbte (<20%!).

Seine Stutnachkommen erwiesen sich im Körring als überaus erfolgreich und bescherten dem Hengst einen durchgehend hohen Ster-Prozentsatz von 45 – 55% (2018: 46,53%). Drei seiner Töchter tragen bis dato das Kroonprädikat, 2 Nachkommen konnten bisher das Sportprädikat erreichen.

Leider wurde kein Sohn von Fridse 423 vom KFPS gutgekört, was auch insofern schade ist, da mit diesem besonderen Hengst einer der letzten als Deckhengst registrierten Söhne des großen Teunis 332 P verstorben ist. Der einzige als Deckhengst verbliebene Sohn des berühmten Preferenthengstes ist nun der ebenfalls in den USA stationierte, bereits 22-jährige Monte 378, der zwar noch in der Zucht aktiv ist, aber in sehr geringen Zahlen deckt. Somit droht die direkte Linie von Teunis 332 P auszusterben.

Fridse 423 ist bereits der neunte Todesfall unter den KFPS-Deckhengsten in diesem Jahr. Auch Anton 343 P, Bearend 347, Fede 350, Ielke 382, Wobke 403, Wikke 404, Felle 422 und Tietse 428 sind 2018 verstorben.

Wobke 403 eingeschläfert

Die schwediische Besitzerin von Wobke 403 Sport verlautbarte gestern auf Facebook, dass der Althengst nach langwierigen Komplikationen mit einem verletzten Bein eingeschläfert werden musste.

Wobke 403, geboren 1999, war der letzte lebende als Deckhengst gekörte Sohn von Fetse 349 und trug über seinen Muttervater Gaije 295 wertvolles Blut aus der Age-Linie. Er wurde 2002 nach erfolgreicher Absolvierung des CO, in dem er vor allem als Menpaard überzeugte, in den Deckdienst berufen, seine Nachkommenkörung legte er 2006 erfolgreich ab und erhielt somit sein Deckbrevet auf Lebenszeit.

2008 erreichte der nur 160 cm große Wobke 403 die notwendigen Punkte für das Sportprädikat in der Dressur, 2013 wurde er nach Schweden an das Gestüt “Vibblebodda Frieser” verkauft, wo er nun auch im Alter von 19 Jahren eingeschläfert werden musste.

Bei den Züchtern stieß Wobke 403 über lange Zeit auf reichlich Anklang, gehörte aber dennoch nie zu den “Top-Favoriten” hinsichtlich der Deckzahlen. Sein Verkauf nach Schweden hatte darüber hinaus deutlich negative Auswirkungen auf seinen züchterischen Einsatz in seinen letzten Lebensjahren.

Bis heute wurden 143 Stammbuch- und 61 Sterstuten von Wobke 403 registriert, darüber hinaus tragen seine Töchter Johanna fan ‘e Goengamieden (*2003, Wobke 403 x Brandus 345 P) und Laura fan ‘e Goengamieden (2003 – 2013, Wobe 403 x Oege 267 P) das Modelprädikat. Meice van Hoeve Jacolie Kroon Sport (*2004, Wobke 403 x Tsjomme 329) ist bislang seine einzige Kroon-Tochter. Neben dieser Kroon Sport-Stute tragen derzeit noch weitere 9 Nachkommen von Wobke 403 das Sportprädikat.