CO-Reitpferde-Examen räumt das Feld auf

Heute wurden die am CO 2020 teilnehmenden Junghengste dem ersten Teil der Endbeurteilung auf ihrem Weg zum Deckhengst unterzogen. Die jungen Pferde wurden im Reitpferde-Endexamen noch einmal unter dem Reiter vorgestellt und von der Jury bewertet.

Überraschenderweise waren zu dieser Prüfung lediglich 7 Hengste zugelassen. Das zu Beginn große Teilnehmerfeld wurde im Lauf der Vorrijdagen und der ersten CO-Wochen durch die Jury stark ausgedünnt.
Zuletzt erfolgte am 13. Oktober die Abweisung des Hengstes Auke van Hilberalti Vb Ster (Jouwe 485 x Norbert 444 P), darüber hinaus wurden die Hengste Daan van de Meikade Vb ster (Hette 481 x Pier 448) und Foppe van Gorsveld Vb Ster (Hessel 480 x Beart 411 P) ein Jahr zurückgestellt.

6 der verbleibenden 7 Hengst nahmen heute an der Reitpferdeprüfung teil, der mit 2 Wochen Verspätung angelieferte Foppe van de Pole Vb Ster (Hessel 480 x Jisse 433) erhält aufgrund des Trainingsrückstandes die Möglichkeit, seine Endexamen zu einem späteren Termin abzulegen.

Die geprüften Hengste erreichten folgende Ergebnisse:

Alphyr Waldman (Tsjalle 454 P x Harmen 424)
70,0 Punkte – nicht bestanden

Beant fan de Lege Geaen (Hessel 480 x Tsjalle 454 P)
78,0 Punkte – bestanden

Danny van de Olde Mette Moate (Jehannes 484 x Onne 376)
85,5 Punkte – bestanden

Dedmer fan Klaeiterp (Alwin 469 x Teeuwis 389)
83,5 Punkte – bestanden

Friese v.d. Maria Louise Hoeve (Markus 491 x Olof 315 P)
72,5 Punkte – nicht bestanden

Frodo van de Oenemawei (Beart 411 P x Mintse 384)
76,5 Punkte – nicht bestanden

Das Teilnehmerfeld ist mit diesen Ergebnissen nun vorläufig auf lediglich 3 Hengste zusammengeschrumpft.

CO-Teilnehmerfeld auf 11 Hengste geschrumpft

Am 08.Oktober fand im niederländischen Exloo eine weitere Begutachtung der im CO befindlichen Junghengste durch Gastreiter statt, darüber hinaus wurden die Pferde zum ersten Mal vor dem Wagen präsentiert.
Auf Basis dieser Präsentationen beriet sich die Jury mit den jeweiligen Eigentümern der Hengste darüber, ob eine Teilnahme an der für den 17.10. angesetzten Endbeurteilung unter dem Sattel sinnvoll wäre. Für zwei Hengste fiel die diesbezügliche Beurteilung in einem Maße aus, welches die Besitzer dazu veranlasste, die Pferde vorzeitig aus dem CO zurückzuziehen.

Dabei handelt es sich um Douwe van de Weerdshof (Omer 493 x Doaitsen 420) und Doede H (Alwin 469 x Meinse 439).
Durch den Rückzug von ersterem befinden sich nun keine Söhne des jungen Omer 493 mehr im aktuellen CO, für den höchst populären Alwin 469 läuft nur noch ein Sohn im Klassement.

Die Endbeurteilung unter dem Sattel soll kommenden Samstag stattfinden, die Veranstaltung wird via Livestream übertragen.

Nähere Informationen über die aktuellen CO-Hengste sind der FPI-CO-Infoseite zu entnehmen.

Auch Alke 468 nun in schwedischem Besitz

Erst kürzlich ging die Meldung durch die Friesenwelt, dass der sportlich erfolgreiche Mees 497 (Tymon 456 x Dries 421) an das schwedische Gestüt Aftonmora Friesians verkauft wurde.
Nun vermeldete die Deckstation Gaasterland, dass auch Alke 468 (Fabe 348 P x Jakob 302) in den Besitz der schwedischen Friesenzucht übergegangen sei. Wie auch Mees 497 und die ebenfalls in schwedischem Besitz befindlichen Hengste Tymon 456 und Siert 499 soll auch Alke 468 weiterhin in den Niederlanden stationiert bleiben und von dort aus den europäischen Züchtern zur Verfügung stehen.
Einzig der im März von Aftonmora Friesians erworbene Sipke 450 steht direkt bei seinen neuen Besitzern in Schweden.

Alke 468 wurde 2011 als Deckhengst angekört und gilt aufgrund seines enorm niedrigen Verwandtschaftsgrades (15,7%) und seiner sehr interessanten Blutführung als besonders wertvoll für die Zucht.
Trotz dieser züchterisch interessanten Merkmale war die Nachfrage nach dem Fabe 348 P-Sohn von Züchterseite in den letzten Jahren nicht übermäßig groß – seit 2016 deckte Alke 468 keine 100 Stuten, was in direkter Korrelation mit der Körung des ebenfalls sehr unverwandt gezogenen Omer 493 (Gjalt 426 x Karst 362, VWG 16,4%) zu stehen scheint, in dessen Vererbungsleistung die Züchter offenbar größere Hoffnungen setzten.
Eine Annahme, die sich aktuell zu bestätigen scheint – finden sich unter den gekörten Töchtern von Alke 468 nur knapp 29% Prädikatsstuten, so beläuft sich dieser Anteil im ersten Fohlenjahrgang von Omer 493 auf bislang sensationelle 72% (!).

Mees 497 wechselt den Besitzer

Wie phryso.com heute berichtete, wurde der schöne Mees 497, Verrichtingstopper des CO 2016, an das schwedische Gestüt Aftonmora Friesians verkauft. Dieses aufstrebende Friesengestüt ist bereits im Besitz der Hengste Sipke 450, Tymon 456 (Vater von Mees 497) und Siert 499.

Mees 497 auf der CK 2018

Der 172 cm große Mees 497 soll vorerst in den Niederlanden stationiert bleiben, auf lange Sicht wollen seine neuen schwedischen Besitzer den sportbegabten Hengst auf Grand Prix-Niveau in der Dressur herausbringen.

2021 werden die ersten 3-jährigen Nachkommen von Mees 497 in den Körbahnen des KFPS vorgestellt werden und in den ABFP’s ihre Sporteignung unter Beweis stellen. Man darf gespannt sein, ob der athletische, imposante Hengst seine Sportbegabung auch an seinen Nachwuchs weitervererbt.

Julius 486-Sohn in den USA zum CO angewiesen

In den USA erhält dieser Tage ein Sohn des 2015 gekörten Julius 486 die Chance, sich in der Hengstleistungsprüfung zu beweisen. Es handelt sich dabei um den 2016 geborenen Atze Vb Ster, der von den kalifornischen Züchtern Pier und Darlene van der Hoek gezogen wurde und in deren Besitz steht.

Der 161 cm große Hengst wurde mit fantastischen Zuchtwerten in der Bewegung eingeschätzt und geht aus einer äußerst prädikatreichen Mutterlinie aus Stamm 50 hervor.
Seine Mutter ist die Tsjalle 454 P-Tochter Maaike Stb Ster (*2012), welche 2015 mit einer 1. Prämie ausgezeichnet und voorl. Kroon erklärt wurde. Sie ist eine Vollschwester der erst kürzlich mit dem Modelprädikat ausgezeichneten Juwiel H fan Lutke Peinjum Model Sport AA und kommt wie diese aus der 2002 geborenen Hawar fan Lutke Peinjum Ster Pref A (v. Jasper 366 P). Die Mutterlinie führt über die im diesjährigen April verstorbene Unyk fan Lutke Peinjum Ster Pref (1998-2020, v. Brandus 345 P) und die bekannte, dubbelpreferente Ealfrou fan Lutke Peinjum Ster Pref (1993-2012, v. Melle 311) weiter auf eine der großen Stammmütter der modernen Friesenzucht, die dreifach preferente Setske F. Ster Pref Prest (1989-2009, Feitse 293 P x Dagho 247), die vor allem als Mutter des Stempelhengstes Beart 411 P bekannt ist.

Julius 486 selbst ist Norbert 444 P x Beart 411 P gezogen, somit ist das Papier seines angewiesenen Sohnes in hohem Maße auf einer weitverbreiteten Blutlinie aufgebaut und weist einen VWG von 18,9% auf.

Aufgrund der aktuell immer noch angespannten CoViD-19-Situation in den USA und den damit verbundenen Einreisebestimmungen aus dem Ausland herrscht derzeit noch Unklarheit darüber, wann die dortige HLP stattfinden kann.

Zwischenstand ABFP 2020

Trotz Corona laufen auch dieses Jahr in den Niederlanden ABFP-Prüfungen, in denen die Gebrauchseignung junger Friesenpferde in den Disziplinen Reiten, Dressurfahren und Tuigen ermittelt wird.
Dies dient mit dazu, die Vererbungsleistung der jungen KFPS-Deckhengste abschätzen zu können, die entsprechend dieser Daten gutgekört werden und somit ohne Decklimit (180 Deckungen p.a. für nicht gutgekörte Hengste) eingesetzt werden können.

In diesem Jahr betrifft dies in erster Linie die Hengste aus dem Körjahrgang 2015, dabei handelt es sich um Julius 486, Walt 487, Erryt 488, Eise 489, Meinte 490, Markus 491, Nane 492 und Omer 493.

Während von Walt 487 de facto keine Nachkommen existieren (der Hengst brachte aufgrund akuter Befruchtungsprobleme lediglich Fohlen im einstelligen Bereich), wurde von Erryt 488 bisher nur ein einziger Nachkomme im ABFP getestet.
Von Julius 486 wurden bereits im Vorjahr in den USA einige Nachkommen getestet, in den Niederlanden liefen in diesem Jahr erst zwei Julius-Abkömmlinge im ABFP.
Aus diesem Grund sind diese drei Hengste in der aktuell vorliegenden Statistik nicht enthalten.

Von den verleibenden fünf Hengsten wurden indes bereits zahlreiche Nachkommen getestet. Diese Pferde schnitten im Bereich Reiten (Rijproef) wie in der Grafik ersichtlich ab:

Als besonders talentiert unter dem Sattel erwiesen sich bislang die Nachkommen von Meinte 490 (Beart 411 P x Anton 343). Als Topper im Defilé der Meinte 490-Nachkommen erwies sich bislang die Sterstute Eabeltsje v.d. Peester Hoeve, die unter dem Sattel satte 83,0 Punkte erreichen konnte – dabei bestach sie v.a. mit ihrer tollen Galoppade, für die sie mit einer 8,5 belohnt wurde. Die Meinte 490-Tochter Feike van de Zwarte Marie aus der Zucht von Antonia Derksen / DE (Jonge Fokker van het jaar 2019) erreichte unter dem Sattel 78,5 Punkte. Die Reserve-Jeugdkampioene der CK 2019 befestigte damit ihr Kroon-Prädikat.

Feike van de zwarte Marie Kroon (Meinte 490 x Goffert 369) auf der Körung in Ede 2020

Auch die Nachkommen des unverwandt gezogenen Omer 493 konnten sich als Reitpferde mit überdurchschnittlichen Leistungen hervortun. So erbrachte der Omer 493 x Ielke 382 gezogene Dytmer B. Vb H eine hervorragende Punktzahl von 85,0 Punkten, die Omer 493 x Onne 376 gezogene Doutzen van Plexat konnte mit 81,0 Punkten ihr Kroon-Prädikat festschreiben.

Doutzen van Plexat Kroon (Omer 493 x Onne 376)

Von Nane 492 wurden bereits 20 Nachkommen im ABFP beurteilt, er hat damit bereits die notwenige Anzahl an überprüften Pferden erreicht, um für eine Gutkörung in Frage zu kommen. Diese Pferde schnitten unter dem Sattel durchschnittlich ab, einzelne Teilnehmer stachen aber durch herausragende Leistungen hervor. So zum Beispiel der Sterhengst Date B. (Nane 492 x Jisse 433), der 84,0 Punkte erreichen konnte (u.a. mit der Bewertung von 8 für jeweils den Trab, den Galopp, die Balance und den Impuls).

Mit eher unterdurchschnittlicher Eignung als Reitpferde warteten die 10 bisher getesteten Nachkommen von Eise 489 auf. Einzig die Eise 489 x Rypke 321 gezogene Femke van ‘t Grupje konnte mit 84,0 Punkten sehr hoch scoren. Diese ausgesprochen gute Punktzahl konnte die ausnehmend schöne Stute zudem ein Monat nach Abschluss des ABFP in ein definitives Kroon-Prädikat umwandeln.

Femke van ‘t Grupje Kroon (Eise 489 x Rypke 321)

Überraschend schwach präsentierten sich indes die 18 bisher getesteten Nachkommen von Markus 491 unter dem Sattel. Bislang zeigten diese Pferde insbesondere Mängel im Schritt.

In der Gebrauchsanspannung zeigt sich ein ähnlicher Trend wie im Bereich der Reitpferde. Während die Nachkommen von Meinte 490 deutlich überdurchschnittlich scorten, blieben die Abkömmlinge von Eise 489, Nane 492 und Omer 493 in dieser Disziplin weitgehend leicht über dem Durchschnitt. Lediglich die Söhne und Töchter von Markus 491 zeigten sich auch hier unterdurchschnittlich begabt.

Das absolute Topergebnis in den Sattelprüfungen der ABFP’s 2020 erbrachte bislang die 2015 geborene Weri fan Pier’s Hiem Ster AAA (Wytse 462 x Doaitsen 420) – die Stute erreichte sagenhafte 87 Punkte, unter anderem mit einer 9 für den Trab.

In der Gebrauchsanspannung firmiert der Sterhengst Fighter af Fynbo (Nane 492 x Doaitsen 420) mit 86,0 Punkten an der Spitze des bisherigen Rankings.

Rapport Abstammungskörung Jasper 366

Jasper 366 wurde bei T. Wijma aus Jislum geboren, in dessen Eigentum er sich immer noch befindet. Jasper hat seine Deckjahre nach der Ankörung auf der Deckstation Leppehorne von Mts Bangma-Vellinga aus Oldeboorn verbracht.
Jasper kommt aus dem Stamm 027, seine Mutter ist die Sterstute Antje ut de Mieden, sein Vater ist Olof 315. Auf der Hengstenkeuring hat Jasper immer wieder von sich reden gemacht und erlangte 2002 den Kampioenstitel.
Auch im Dressursport präsentiert sich der Hengst gut (Z2 dressuur), darüber hinaus ist Jasper Teil der F.P.S./F.P.C. Viertal, welche dieses Jahr niederländischer Champion wurde.
Im Bericht zur Hengstleistungsprüfung, welche Jasper 1998 absolviert hat, wird der Hengst als ehrlich, umgänglich und etwas eigensinnig beschrieben.
Nach seiner HLP begann Jasper seinen Deckdienst. 2002 wurde er zur Absolvierungen der Abstammungskörung verpflichtet und hat diese im selben Jahr abgeschlossen. Die Eigenschaften seiner Nachkommen werden im Folgenden beschrieben.

a) Index
Aus dem Index von Jasper 366 mit einer ausreichenden Vertrauenswürdigkeit von 62% geht hervor, dass der Hengst das Exterieur im Allgemeinen leicht verbessert. Die Halsungen seiner Nachkommen sind häufig horizontal gestellt. Die Vererbung einer guten Lendenpartie – wichtig für gute Gebrauchspferde – fällt auf. Er verbessert die Länge der Vorderbeine nicht und die Hinterbeine seiner Nachkommen sind säbelbeinig. Sehr positiv ist der Einfluss von Jasper auf die Bewegung. Er vererbt einen raumgreifenden, kräftigen Schritt und einen taktsauberen Trab mit tragender Hinterhand. Darüber hinaus vererbt er ein schönes Schwarz und viel Behang.

b) Leistungsprüfungen
Die Nachkommen von Jasper 366 erreichen in beinahe allen Teilen der Leistungsprüfungen eine höhere Punktzahl als der Durchschnitt aller in diesem Jahr getesteten Pferde. Die Gruppe der für die Prüfungen ausgewählten Pferde war besser als die der zufällig angewiesenen und punktete weit über dem Durchschnitt. Trotzdem konnten sich drei Pferde nicht klassieren.
Während der Prüfungen zeigten die Nachkommen von Jasper viel Arbeitseifer und Einsatzwillen, zu Beginn der Prüfungen waren sie etwas verspannt.

c) Körungsresultate / Rapport der Inspektionsjury (inspectie)
Testgruppe: 25% (inkl. 2 Vb Ster-Hengste)
Lebenstotal Ster%: 14,3%
Weiters wurden zwei Wallache Ster, sowie einer Stb mit einer 3. Prämie. 7 weitere Vb-Hengste wurden Ster erklärt.

Fohlen
Der erste Fohlenjahrgang von Jasper 366 erreichte 77,5% 1. & 2. Prämien.

Exterieur & Typ
Die 3-jährigen Jasper-Nachkommen präsentieren sich als homogene Gruppe von nicht allzu großen Pferden, die mehrfach etwas frontlastig gebaut sind. Sie stehen häufig in einem lang linierten Typ und weisen gute Oberlinien auf, es fehlt ihnen jedoch an Länge im Vorderbein. Die Lenden sind gut entwickelt, die Kruppen erscheinen als leicht abfallend und ausreichend lang. Das Fundament ist hart und gut gestellt.

Bewegung
Der Schritt ist raumgreifend und kräftig, der Trab erweist sich als getragen und zeigt viel Takt und Regelmaß. Die Pferde laufen mit viel Kraft aus der Hinterhand.

Endbeurteilung
Aufgrund der Punkte:

a) ausreichender Index hinsichtlich Exterieur und sehr guter Index hinsichtlich Bewegung
b) ausreichender Sterprozentsatz von total 26%
c) hohe Wertungsresultate im ABFP
d) guter Körrapport der Inspektionsjury

ist die Inspektionsjury der Meinung, dass Jasper 366 einen positiven Beitrag zur Friesenzucht liefert. Die Inspektionsjury empfiehlt daher dem Vorstand, Jasper 366 im Deckdienst weiter zu verwenden.
Jasper 366 kann somit an der Hengstenkeuring 2003 teilnehmen.

Quelle: PHRYSO 01/2003

FriesenFokus: KFPS-Preferenthengste – Vererber, die die Friesenzucht prägten (Teil 4)

Friesenfokus Preferenthengste

Es ist die höchste Ehrung, die einem KFPS-Deckhengst zu Teil werden kann – das Preferent-Prädikat. Vergeben wird dieser Ehrentitel seit jeher nur an die Vererber, die durch die Leistungen ihrer Nachkommen im Übermaß bewiesen haben, dass ihr Einfluss auf die KFPS-Friesenzucht von prägender Bedeutung ist – dem zu Grunde liegt ein umfassender Berechnungsvorgang, der sowohl die Anzahl registrierter Nachkommen berücksichtigt, als auch deren aufgrund von Prädikatsvergaben nachvollziehbare Leistungen hinsichtlich Exterieur (Ster, Kroon, Model, Stb-Hengst), Vererbungsleistung (Preferent, Prestatiemoeder, Hengstenmoeder) und Sportleistung (Sport, Elite-Sport).

Die ausgehenden 1970er-Jahre und beginnenden 1980er bedeuteten für die KFPS-Friesenzucht eine regelrechte Renaissance.
Die Wirtschaft in Europa und somit auch in den Niederlanden boomte nach den langen, kargen Jahrzehnten, die der Kontinent im Schatten zweier Weltkriege gedarbt hatte – und damit auch die Zucht von Pferden, deren Qualitäten abseits vom landwirtschaftlichen Gebrauch lagen. Es waren diese Jahre, die den Grundstein für das Wiederaufleben des Friesenpferdes im ursprünglichen Typus legten und in denen die Rasse weg vom behäbigen “Tulpentreter” zum hocheleganten Karossier- und später auch Reitpferd entwickelt wurde. Im Gros der damaligen Friesenpopulation war davon freilich noch wenig zu sehen, doch die strenge Hengstenselektion seitens des KFPS tendierte bereits merklich in die oben beschriebene Richtung, was sich auch in den sich später als Stempelhengste erweisenden Beschälern widerspiegelte.
Nicht zuletzt führte die blühende Wirtschaft aber auch zu einer Verbreiterung des Pferdemarktes – das Pferd als Nutztier mochte durch die fortschreitende Technologisierung von Landwirtschaft und Verkehr zwar ausgedient haben, doch die bessere wirtschaftliche Lage des Einzelnen erlaubte nun wieder zunehmend, Pferde auch als Haustiere, Sportpartner und Freizeitgefährten zu betrachten.
Dies spiegelt sich auch in den Deckzahlen wider – 1980 übersprang die Anzahl der vom KFPS registrierten Bedeckungen erstmals die magische Grenze von 1000 – ein Trend, der sich bis weit in die 1990er fortsetzen sollte.


Naen 264 Preferent
11.04.1976 – 01.01.2003, Ferdinand 252 x Kerst 190 P x Held 140, Stam 034

Naen 264 P, der 1976 als Nathan in der Nähe des friesischen Ortes Blauwhuis geboren wurde, wurde im März 1979 als Deckhengst angekört. Bereits zu Beginn seiner Deckkarriere fiel der modern und sportlich gebaute Hengst, der für damalige Verhältnisse recht hochgewachsen war (165 cm Stkm.) auch den Züchtern ins Auge, die ihn im Laufe seiner 17 Jahre andauernden Karriere als Deckhengst reichlich nutzten.
Naen 264 P ist der einzige gutgekörte Sohn von Ferdinand 252 (Tsjalling 253 P x Ritske 202 P), welcher recht stringent innerhalb der damals noch recht stark vertretenen Ritske-Linie gezogen worden war. Mütterlichseits trug Naen 264 P über seine Mutter Truus Model Pref (zum Zeitpunkt seiner Geburt bereits 20 Jahre alt) die Gene des sehr unverwandt gezogenen Kerst 190 und damit einer Hengstlinie, deren letzter direkter Abkömmling bereits Mitte der 1960er Jahre abgekört wurde. Neben Naen 264 P hatte die überaus erfolgreiche Truus noch zwei weitere Söhne im Deckdienst – den 1976 abgekörten Zjeord 239 (v. Kasper 229) sowie den 1971 geborenen Dagho 247 (v. Tsjalling 235 P), welcher durchaus erfolgreich bis zu seinem Tod 1996 als KFPS-Deckhengst Dienst tat. Darüber hinaus zeichnet sich die Modellstute bis heute als Begründerin einer schier unüberschaubaren Stutlinie innerhalb des Stutenstammes 034 aus, aus welcher zahlreiche Prädikatspferde hervorgingen.

Naen 264 P schaffte, was nur wenigen Deckhengsten des KFPS vergönnt ist – er hinterließ ein bis heute reichendes Vermächtnis und drückte der Friesenzucht insbesondere hinsichtlich Sportveranlagung seinen Stempel auf. Im Laufe seiner Deckkarriere zeugte er 6 als KFPS-Deckhengste registrierte Söhne (Walter 282, Foppe 290, Barteld 292, Hannes 296, Jakob 302 Sport & Ludse 305), deren Hengstnachkommen heute den allergrößten Teil der rezenten Deckhengste in der Ritske-Linie ausmachen. Besonders Barteld 292 konnte über seine Söhne Pyt 325 und dessen heute in Deutschland stationierten Sohn Gjalt 426, sowie Wander 352 und dessen überaus erfolgreichen Nachkommen Doaitsen 420 einen wichtigen Beitrag zur Friesenzucht leisten. Unter anderem in den Pedigrees der Halbbrüder Omer 493 (Gjalt 426 x Karst 362) und Wolter 513 (Fabe 348 P x Karst 362) trägt der Einfluss von Naen 264 P (er schlägt als MV der verdienten Doppel-Hengstmutter Zandra fan Bartlehiem Ster Pref zu Buche) darüber hinaus auch heute noch zu einer breiten Blutstreuung innerhalb der modernen Friesenzucht bei.

Die Stutnachkommen von Naen 264 P zeichneten sich ebenfalls durch hohe Qualität aus – bei 325 im Stammbuch registrierten Stuten erreichten seine Töchter einen Ster-Prozentsatz von beinahe 43%, 5 Stuten erhielten das Modelprädikat, weitere 35 haben bis heute durch außerordentliche Zuchtleistung das begehrte Preferent-Prädikat erreicht, 5 Naen 264-Töchter sind darüber hinaus Prestatiemoeders.

Naen 264 P kann ohne Weiteres als Begründer einer ganzen Linie moderner, sportlicher KFPS-Friesen gesehen werden – sein durchschlagender Einfluss als Stempelhengst ist bis heute sichtbar.

Naen 264 wurde 2008, lange nach seinem Ableben, posthum Preferent erklärt.


Oege 267 Preferent
17.04.1977 – 10.11.1998, Wessel 237 P x Hindrik 222 x Age 168, Stam 002

Oege 267 P (ndl. ausgesprochen ~ “Uche” und nicht wie im deutschsprachigen Raum vielmals gehört “Öge” 🙂 ) wurde im März 1980 als KFPS-Deckhengst angekört und trat seinen Dienst in Tjerkgaast auf der Station von Fr. de Jong an. Der damals 3-jährige Hengst bestach durch einen außerordentlich schönen Rassetyp und viel Behang, wie sich auch heute noch anhand alter Aufnahmen belegen lässt. Der Sohn von Wessel 237 P (siehe Teil 3 dieser Serie) war lang als Deckhengst im Einsatz und gehörte in dieser Zeit über ein ganzes Jahrzehnt hinweg zu den beliebtesten und am häufigsten genutzten KFPS-Vererbern, was die mehr 1800 Decksprünge in seinem langen Leben beweisen.
Mütterlicherseits stammte Oege 267 P aus der 1968 geborenen Wieske Ster Pref (sehr interessant aus Hindrik 222 x Age 168 gezogen). Oege war der erste Sohn dieser Stute, welche im Laufe ihrer Zuchtkarriere noch 13 weiteren Fohlen das Leben schenken sollte und aus deren Nachkommenschaft sich die Hengstmütter von Sytse 385, Take 455 und Wolfert 467 rekrutieren.

Unter den Hengstnachkommen von Oege 267 P finden sich nicht weniger als 7 gekörte KFPS-Deckhengste, von denen nur einer (Wibe 402) abgekört wurde. Sein erster gekörter Sohn, Ritse 322 ist über den 2018 verstorbenen Wikke 404 der Großvater des überaus sportbegabten Aarnold 471 Sport-Elite. Danach folgten Remmelt 323 und der kurz nach seiner Ankörung verstorbene Tieme 330, die sich in direkter Linie nicht bis heute durchsetzen konnten. Als 4. Sohn von Oege 267 P wurde 1995 der immer noch weithin bekannte Anton 343 Sport angekört, welcher 2016 ebenfalls Preferent erklärt wurde und 2018 im stolzen Alter von 26 Jahren in den USA verstarb.
Danach folgte der ebenfalls jung verstorbene Jitse 361, ehe 1999 mit Lolke 371 Sport jener Hengst angekört wurde, dessen direkter Nachfahre Alwin 469 Sport (Felle 422 x Tsjerk 328 P) heute zu den beliebtesten KFPS-Deckhengsten zählt.
Mit diesem großen Vermächtnis an direkten Hengstnachkommen konnte Oege 267 P seinen höchstpersönlichen Zweig im KFPS-Hengstenstammbaum verewigen, welcher wohl aufgrund der Popularität – insbesondere von Alwin 469 – so schnell nicht erlöschen wird.

Ausschnitt HSB Oege 267

Ausschnitt aus dem KFPS-Hengststammbaum / direkte Linie auf Oege 267 P

Doch auch als “Stutenmacher” konnte Oege 267 P sich behaupten. Seine zahlreichen Töchter erreichen einen Steranteil von fantastischen 54,35%, das KFPS zählt darunter 11 Modelstuten, 72 (!!!) preferente Stuten und 11 Leistungsmütter (Prest). Kaum verwunderlich liegt Oege 267 P damit in Sachen Preferentschafts-Punkten bis heute in den vordersten Rängen.
12 seiner Töchter lieferten darüber hinaus ihrerseits KFPS-Deckhengste, darunter der ebenfalls preferente Brandus 345, der leider viel zu früh verstorbene Harmen 424 und der schöne Mewes 438. Als MMV steht Oege 267 im Papier von weiteren 14 KFPS-Hengsten, im Pedigree von Alwin 469 findet man ihn dadurch sowohl in direkter Vaterlinie als auch in der Mutterlinie.

Oege 267 wurde 1996 noch zu Lebzeiten Preferent erklärt.


Reitse 272 Sport Preferent
09.05.1978 – 13.02.1995, Hearke 254 P x Hotse 223 x Eelke 183, Stam 022

Der 1978 geborene Reitse 272 P wurde im Februar 1982 gemeinsam mit seinem Vollbruder Tys 274 als Sohn des später als “König der Friesen” bekannt gewordenen Hearke 254 P in den Deckdienst beordert. Der außergewöhnlich schöne Hengst, der durchaus Ähnlichkeiten zu seinem sehr rassetypischen Vater erkennen ließ, wurde von den Züchtern bereits am Anfang seiner Deckkarriere gerne angenommen und erreichte so im Laufe seiner aktiven Deckkarriere, welche mit seinem relativ frühen Tod (17 Jahre) 1995 endete, auch beachtliche Deckzahlen.
Seine Mutter war die sehr gut züchtende Pauliene Ster Pref (gezogen Hotse 223 x Eelke 183 und damit stark in der Ritske-Linie verankert), welche insgesamt 14 Fohlen zur Welt brachte.

Reitse 272 P brachte insgesamt 7 vom KFPS anerkannte Deckhengste, von denen wiederum 3 abgekört wurden (Obe 314, Tjitte 333 & Reyert 337). Unter den verbleibenden vier Söhnen, welche auf Abstammung gutgekört werden konnten, finden sich dafür aber gleich zwei ganz große Namen – nämlich die der beiden Preferenthengste Olof 315 und Brandus 345, denen ich mich in späteren Kapiteln dieser Serie en detail widmen möchte. Die beiden weiteren gutgekörten Söhne von Reitse 272 sind Anne 340 Sport und Abel 344.

Doch auch über seine Töchter konnte Reitse 272 P gehörigen Einfluss auf die moderne Zucht des KFPS nehmen. Ganze 15 Hengstmütter finden sich unter seinen Töchtern (darunter die Mütter von Ulke 338, Lolke 371, Eibert 419 und Doaitsen 420), als MMV schlägt er sich in den Stammbäumen weiterer 6 Deckhengste nieder (z.B. in denen von Epke 474 und Fonger 478). Von seinen 441 im KFPS-Stb registrierten Töchtern erreichten 46% ein höherwertiges Stutprädikat, die Statistik weist 192 Sterren und 11 Modeltöchter aus. 37 seiner Töchter haben inzwischen die Preferentschaft erreicht, 2 konnten sich als Prestatiemoeders etablieren. Durchaus erwähnenswert für einen Hengst dieser Generation sind auch die 17 registrierten Sport-Nachkommen – eine unüblich hohe Zahl für einen Vertreter dieser Zeit und auch ein Indikator für die außergewöhnliche Sportveranlagung, die der selbst im Tuigsport erfolgreiche Reitse 272 P an seine Nachkommen weitergegeben hat. Besonders hinsichtlich der Verbesserung des Schritts in der Friesenpopulation legte dieser Hengst einen wichtigen Grundstein, welcher v.a. über seinen Sohn Olof 315 und in weiterer Linie über Jasper 366 und Beart 411 weiter verankert wurde.

Reitse 272 wurde 1996 posthum Preferent erklärt.


Im nächsten Teil dieser Serie möchte ich mich den Preferenthengsten widmen, deren Einfluss ganz unmittelbar bis heute spürbar ist – dahingehend stehen die großen Namen Feitse 293, Leffert 306, Olof 315, Tsjerk 328 und Teunis 332 auf dem Programm, die allesamt große Spuren hinterlassen haben und deren direkte Nachkommen auch heute noch eine aktive und wichtige Rolle in der Friesenzucht spielen.

Teil 1, Teil 2 und Teil 3 dieser Serie sind auf den jeweiligen Seiten nachlesbar.

 

UPDATE: Übersetzungen der Abstammungsrapporte aktualisiert

Nach langer Planung ist es mir an diesem Wochenende endlich gelungen, die noch ausstehenden Rapporte zu den Abstammungskörungen vieler aktueller Hengste nachzuholen (darunter Züchterlieblinge wie Hessel 480 und Jehannes 484).

Die aus dem Niederländischen übersetzten Berichte sind in der Rubrik “Beurteilungsrapporte” zu finden.

Rapport Abstammungskörung Jouwe 485

Dezember 2019

Nakomelingenonderzoek Jouwe 485

Allgemein

Jouwe 485 wurde im Herbst 2014 als 3-jähriger Hengst angekört auf Basis seines überdurchschnittlichen Exterieurs, seiner guten Abstammung und seiner hervorragenden Leistungen in der Hengstleistungsprüfung, insbesondere in den Disziplinen vor dem Wagen. Aus dem ersten Jahrgang von Jouwe 485 wurden 119 Fohlen registriert, die zu 87% aus (minimal) Sterstuten stammen.
Jouwe 485 konnte seine Abstammungskörung 2019 auf Basis eines Jahrganges 3-jähriger Pferde abrunden.

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Jouwe 485 – Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de

Exterieur

Die Nachkommen von Jouwe 485 präsentieren sich als eine homogene Gruppe von Pferden mit ausgezeichnetem Exterieur. Die Pferde verfügen durch ihre ausdrucksstarken Köpfe, die mehr als ausreichend langen, sehr gut geformten Halsungen und ihre anmutige Linierung über viel Rassetyp. Sie sind überdurchschnittlich aufwärts gebaut und zeigen häufig eine etwas feste Oberlinie. Die langen Kruppen weisen eine erwünschte Konformation auf. Das Fundament ist ein klein wenig säbelbeinig, beweist jedoch viel Qualität. Die Pferde sind auffallend lang gefesselt und verfügen über großformatige Hufe.
An der Hand lassen die Nachkommen von Jouwe 485 in Schritt und Trab mehr als ausreichend raumgreifende Bewegungen sehen. Bedingt durch die festen Oberlinien fehlt es den Pferden etwas an Souplesse, sie laufen daher etwas auf der Vorhand.

ABFP Nakomelingenonderzoek Jouwe 485

Veranlagungsprüfung

Trainingsrapport und Charakter
Die Nachkommen Jouwe 486 sind aufgestallt umgängliche Pferde. Im Gebrauch erweisen sie sich als vertrauenswürdig. Sie zeigen mehr als ausreichenden Einsatz und sind ausreichend rittig.

Veranlagung
16 Nachkommen von Jouwe 485 haben an den ABFP-Tests teilgenommen. Daneben waren 4 seiner Söhne Teilnehmer der Hengstleistungsprüfung 2019.
Das Veranlagungsbild der Nachkommen von Jouwe 485 wird gekennzeichnet durch das Fehlen von Souplesse.
Der Schritt erweist sich als überdurchschnittlich raumgreifend und taktsauber, es fehlt den Pferden dabei aber im Allgemeinen an Beugung in den Sprunggelenken. Der Trab sollte mehr Raumgriff zeigen, dabei sollten sich die Pferde mit mehr Getragenheit bewegen. Die Nachkommen von Jouwe 485 haben im Galopp etwas wenig Sprung und sollten insbeondere mit mehr Aufwärtstendenz galoppieren. Unter dem Reiter ist die (fehlende) Souplesse in vielen Fällen ein begrenzender Faktor und erweist sich als bestimmend für ein Leistungsbild, welches den Pferden recht wenig Talent unter dem Sattel bescheinigt.
Im Geschirr bewegen sich die Pferde zu wenig getragen und laufen im Allgemeinen häufig zu viel auf der Vorhand.
Aus dem ersten Jahrgang von Jouwe 485 wurden zwei Söhne angekört (Anm. d. Red.: Arent 515 und Boet 516). Diese beiden Hengste ließen ein Veranlagungsbild sehen, welches sich im positiven Sinne stark von den gemittelten Leistungen der getesteten Gruppe unterscheidet.

Endbeurteilung

Jouwe 485 erreicht sehr gute Zuchtwerte betreffend Exterieur und eine weniger starke Vererbungsleistung hinsichtlich Sportveranlagung. Auf Basis seines Gesamt-Vererbungsbildes bleibt der Hengst in der Zucht gehandhabt.