Fohlenkörungen 2020 – Analyse

Auch im Jahr der Pest ließ es sich das KFPS nicht nehmen, Fohlenkörungen zu organisieren.
920 Fohlen wurden in diesem Jahr den fachkundigen KFPS-Juroren vorgestellt und von ihnen beurteilt – im Vergleich zu den letzten Jahren wurden ca. 30% weniger Fohlen vorgestellt (2019 – 1480 Fohlen, 2018 – 1442 Fohlen), was angesichts der ungünstigen Bedingungen kaum verwunderlich ist. Auch muss erwähnt werden, dass auf dem amerikanischen Kontinent in diesem Jahr keine Körungen stattfinden konnten – im Vorjahr wurden z.B. über 200 Fohlen in den USA, Kanada und Mexiko gekört, im Jahr 2018 waren es knapp 190.

Spitzenreiter bei der Anzahl an gekörten Fohlen war in diesem Jahr Tymen 503 (Tsjalle 454 P x Harmen 424) – 66 seiner diesjährigen Fohlen wurden vor der Jury präsentiert, satte 20 davon erhielten eine 1. Prämie.
Auf dem zweiten Platz folgt der junge Teun 505 (Bartele 472 x Rindert 406), aus dessen erstem Fohlenjahrgang 56 junge Pferde vorgestellt wurden, darunter 14 1. Prämie-Fohlen.
Ebenfalls seinen ersten Fohlenjahrgang präsentierte Matthys 504 (Norbert 444 P x Beart 411 P). Unter den 54 gekörten Fohlen dieses Hengstes erhielten 16 eine 1. Prämie.

Betrachtet man die absoluten Zahlen im prozentualen Vergleich, stechen die Ergebnisse einiger Hengste deutlich hervor. So erhielten z.B. über 40% der gekörten Nachkommen von Tiede 501 (Alwin 469 x Loadewyk 431), Menne 496 (Norbert 444 P x Beart 411 P) und Tsjalle 454 P (Mintse 384 x Brandus 345 P) eine 1. Prämie, bei den Nachkommen von Ulbran 502 (Reinder 452 x Jakob 302) liegt dieser Wert sogar über 50%.

Dieser Direktvergleich weist aber aufgrund der sehr unterschiedlichen Anzahl gekörter Fohlen pro Vater einen nicht unerheblichen Verzerrungseffekt auf.
Um eine bessere Vergleichbarkeit zu erreichen, muss auch die Gesamtzahl der geborenen Fohlen berücksichtigt werden. Diese sieht mit aktuellem Stand folgendermaßen aus:

Spitzenreiter bei der Anzahl der 2020 registrierten Fohlen ist demnach Alwin 469 (Felle 422 x Tsjerk 328 P) mit 177 Nachkommen, welcher in der Körstatistik nach Anzahl nur auf Platz 4 liegt. Dichtauf dahinter liegt der die Körstatistik anführende Tymen 503 (175 Fohlen), den dritten Platz bekleidet aktuell der junge Teun 505 (151 Fohlen).
Dabei muss erwähnt werden, dass die Fohlenregistrierung in der KFPS-Datenbank für das Jahr 2020 ein noch laufender Prozess ist und somit noch nicht alle geborenen Fohlen auch registriert wurden. Die sich ergebenden Änderungen sind meiner Erfahrung nach zu diesem Zeitpunkt aber nur noch gering und sollten den Gesamteindruck nicht signifikant verändern.

Berücksichtigt man also die Gesamtzahlen der geborenen Fohlen im prozentualen Vergleich, ergibt sich folgendes Bild:

Ich hab in dieser Grafik im Hintergrund blass die prozentualen Durchschnittswerte der Fohlenkörungen 2020 für die vergebenen Prämien hinterlegt, um die Vergleichbarkeit weiter zu vereinfachen.
Anhand dieser Darstellung erkennt man deutlich, dass die höchst unterschiedlichen Anteile der gekörten Fohlen an der Gesamtzahl der registrierten Fohlen auch einen deutlichen Unterschied hinsichtlich der prozentualen Prämienverteilung ausmachen.

Ein weiterer Faktor bei der Interpretation der Körergebnisse ist weiters auch die Qualität der Mutterstuten, die von den jeweiligen Hengsten gedeckt wurden. In diesem Punkt finden sich teils erhebliche Unterschiede zwischen den Hengsten – über die Jahre hinweg ist ein eindeutiger Trend zu bemerken, Stuten mit hohen Prädikaten in größerer Zahl den jüngeren Vererbern und den “Trendhengsten” zuzuführen. In Bezug auf den Fohlenjahrgang 2020 bedeckten Hengste wie Teun 505, Jehannes 484, Tiede 501 und Yme 507 zu einem deutlich überproportionalen Teil Kroon- und Model-Stuten, wohingegen z.B. Hengste wie Erryt 488 (Meinse 439 x Sytse 385) oder Aarnold 471 (Wikke 404 x Jakob 302) keine Hochprädikatsstuten deckten und auch beim Steranteil unter den von ihnen bedeckten Müttern deutlich unter dem Durchschnitt liegen.

Bezieht man diesen Faktor mit ein, ergibt sich für manche Hengste ein durchaus überraschend positives Vererbungsbild – so wurden z.B. die Fohlen des Jahrgangs 2020 von Erryt 488 trotz Abstammung aus qualitativ schwach bewerteten Stuten zu beinahe 40% mit 1. und 2. Prämien beurteilt. Der Fohlenjahrgang 2020 von Reinder 452 (Aan 416 x Sierk 326) stammt nur zu knapp über 50% aus Sterstuten, trotzdem konnten knapp 60% der Fohlen eine 1. oder 2. Prämie erreichen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass die Körergebnisse eines einzigen Fohlenjahrgangs trügerisch sein können. Die Qualität der Mutterstuten ist bei den einzelnen Hengsten Schwankungen unterworfen, darüber hinaus sind die Zahlen der gekörten Fohlen in einem Jahrgang zumeist zu gering, um sichere Prognosen treffen zu können.
Deshalb habe ich mir auch die Gesamtzahlen der gekörten Fohlen angesehen und mit der Gesamtanzahl der geborenen Fohlen abgeglichen. Die mir dahingehend verfügbaren Daten reichen zurück bis ins Jahr 2011, deshalb sind die KFPS-Deckhengste ab der Stb-Nr. 454 (Tsjalle) in der Statistik erfasst.

Die Statistik offenbart in dieser Form der Aufbereitung durchaus einige Überraschungen, da sie z.T. mit sehr hohen Zahlen hantiert und somit zu durchaus treffsicheren Aussagen beigezogen werden kann. Um der Transparenz Genüge zu tun und eine möglichst leichte Interpretierbarkeit zu gewährleisten, ist die Anzahl der berücksichtigten Fohlen je Hengst mit angeführt.

Ich wünsche viel Vergnügen beim Stöbern, Entdecken und Interpretieren :).

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