Levenstotalen 2016 – viele bunte Statistiken :)

Alljährlich wird vom KFPS eine aktualisierte Hochrechnung der sog. ‘Levenstotalen’ der Deckhengste veröffentlicht, in welcher die Anzahl der Nachkommen und deren Prädikate verzeichnet sind, sowie einige statistisch interessante Daten zu den einzelnen Hengsten (z.B. zur Weißvererbung). Auf Basis dieser Levenstotalen errechnen sich auch die Anwartschaftspunkte für die Preferentschaft von Deckhengsten (mehr dazu im Friesen-ABC).

Die kürzlich veröffentlichte Hochrechnung schließt alle Nachkommen der Hengste bis Dezember 2016 ein und ist auf der Webseite des KFPS im Original für jedermann abrufbar (Excel-Tabelle).

Den eifrigen FP-Lesern wird nun unzweifelhaft nicht entgangen sein, dass ich eine kleine große Leidenschaft für die grafische Aufbereitung von statistischen Daten hege und insofern lasse ich mir es natürlich auch dieses Mal nicht nehmen, euch mit vielen bunten Grafiken zu versorgen :).

Wir beginnen mit den Stutnachkommen der KFPS-Deckhengste.
In der vom KFPS veröffentlichten Tabelle sind die mindestens in das Stb aufgenommenen Stutnachkommen aller Hengste ab Feitse 293 P (*1983, gekört 1986) verzeichnet und nach ihren Stutprädikaten (Stb, Ster, Kroon & Model) gelistet.

In der nachfolgenden Tabelle habe ich diese Aufgliederung für die 20 nach absoluten Zahlen stärksten Deckhengste in der Statistik übernommen.

stuten-2017-relativ

Die absoluten Zahlen geben dabei auch Aufschluss darüber, in welchem Ausmaß einzelne Hengste durch ihre Nachkommen die Zucht aufgrund der schieren Menge an potentiell zuchtfähigen Stuten beeinflussen.
Deutlich zu erkennen ist ein sich selbst erklärender Überhang der bereits preferent erklärten Deckhengste – betrachtet man die Statistik etwas näher, fällt ein massiver Einfluss von Feitse 293 P und seinen Söhnen Tsjerk 328 P, Folkert 353 P, Rypke 321 und Fetse 349 auf. Zu bedenken ist dabei auch , dass Feitse 293 P der MV des ebenfalls weit vorne in der Statistik aufscheinden Beart 411 P ist. Der auf Platz 19 vertretene Andries 415 ist über seinen Vater Tsjerk 328 P ebenfalls ein Enkel von Feitse 293 P.

Der 1986 geborene Leffert 306 P macht gemeinsam mit seinen Söhnen Onne 376 (auf den ich später noch eingehend zu sprechen kommen werde) und Tsjalke 397 ebenfalls einen nicht unerheblichen Einfluss geltend.

Das selbe gilt für den immer noch aktiven Jasper 366 P (*1995), der gemeinsam mit seinem Vater Olof 315 und seinem höchst erfolgreichen Sohn Beart 411 P weit vorne in der Statistik reüssiert. Der 2000 geborene Beart 411 P bringt in der Gesamtstatistik auch die meisten Kroon- & Model-Stuten ins Feld, ingesamt 43 seiner weiblichen Nachkommen wurden bisher mit diesen höchsten KFPS-Stutprädikaten ausgezeichnet (27 Kroon, 16 Model).

 

In der nächsten Grafik habe ich die Hengste nach aktuellem prozentualem Sterstutenanteil gereiht.
stuten-2017-prozentual
Zu bedenken ist in dieser Statistik, dass nicht alle Ergebnisse gleich aussagekräftig sind, da die prozentuale Auswertung für manche Hengste auf nur wenigen registrierten Stuten beruht, wohingegen von anderen (älteren) Hengsten sehr viele Nachkommen in die Statistik einfließen und das Ergebnis somit bedeutend tragfähiger wird.

In dieser Grafik erweist sich die mittlerweile weithin bekannte Vererberqualität von Tsjalle 454 als wahr – mit 66% Sterstuten (bei immerhin 131 registrierten Stutnachkommen, 7 davon bereits Kroon!) macht der 2006 geborene Deckhengst von sich reden. Nimmt man mit in Betracht, dass seine ältesten Nachkommen erst 2011 geboren wurden, ist dieses Ergebnis umso respektabler.

Dicht auf den Fersen ist ihm der mittlerweile legendäre Norbert 444, der seit Anfang 2016 seinen Deckdienst in den USA verrichtet. Bereits 219 Stutnachkommen sind von ihm in der Statistik erfasst, von denen 64% minimal mit dem Sterpädikat ausgezeichnet wurden –  darunter 24 (!!!) Kroon und 3 Modelstuten. In Anbetracht der Tatsache, dass seine ältesten Nachkommen erst 2009 geboren wurden, lässt sich erahnen, wie stark sich diese Zahlen in den nächsten Jahren noch steigern werden.

Auf Platz 3 folgt der junge, 2011 gekörte Alwin 469. Von ihm wurden bislang 16 Stuten in das Stammbuch aufgenommen, darunter 2 mit dem Prädikat Kroon. Seine 63% Sterstutenanteil versprechen eine positive Zukunft, sind aber aufgrund der geringen Nachkommenanzahl noch nicht besonders aussagekräftig.

 

Ebenfalls in der Statistik aufgeführt sind die Stutnachkommen, welche das Preferent-Prädikat erhalten haben.

preferentstuten-2017

 

Über die  sportlichen Erfolge der Nachkommen gibt die Anzahl der verliehenen Sportprädikate Aufschluss. Hier zeigt sich ein weiteres Mal der unerreichte Einfluss von Jasper 366 P auf die Sportveranlagung in der KFPS-Zucht.

sportnachkommen-2017

 

Abschließend möchte ich noch einmal das Rätselraten um die Preferentschaft der Hengste eröffnen – mit einer Auswertung der bis Ende 2016 gesammelten Preferentschaftspunkte.

pp-2017

Verzeichnet sind die 20 Hengste mit den höchsten Preferentpunkten lt. Statistik, die bislang noch kein Preferentprädikat tragen.
Der blaue Balken gibt die bis Ende 2011 gesammelten Ist-Punkte wieder, der grüne Balken den Zugewinn bis Ende 2016. Die seit wenigen Jahren gültige Neuregelung für die Vergabe der Preferentschaft besagt, dass der Soll-Punktestand anhand der Nachkommen berechnet wird, die vor mindestens 5 Jahren (gerechnet ab dato) geboren wurden. Aus der Gesamtzahl dieser Nachkommen wird mit Faktor 0.51 eine individuelle Mindestpunktzahl für den jeweiligen Hengst errechnet, die nochmals um 150 Punkte erhöht wird. Diese Soll-Punktzahl muss über der “magischen Grenze” von 700 Punkten liegen, um die Vergabe des Preferentprädikates überhaupt zu ermöglichen.

Die blaue Linie markiert die “magische” Grenze von 700 Soll-Punkten, ab der das Preferentschaftsprädikat vergeben werden kann, sofern die benötigte Punkteanzahl auch tatsächlich erreicht wurde.
Die hintan gestellten roten Balken geben die ungefähre Soll-Punktzahl wider, die sich aus den registrierten Nachkommen der Hengste errechnet.

Ganz vorne in dieser Aufstellung finden wir den 2016 leider verstorbenen Onne 376, der Ende 2016 bei 1184 Ist-Punkten hält und mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zuge der HK 2017 das redlich verdiente Preferent erhalten wird.
Eindrucksvoll ist sein Zugewinn von Preferentpunkten innerhalb der letzten 5 Jahre – er konnte seinen Punktestand nahezu verdoppeln.

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Onne 376 – wahrhaft ‘royaal’ und vielleicht bald ‘preferent’?

Der 1996 geborene Onne 376 (Leffert 306 P x Hearke 254 P) erhielt seine Decklizenz im Jahr 2000 und war bis zu seinem Ableben im August 2016 ein überaus gefragter Deckhengst, der vor allem für seinen hervorragenden Rassetyp von den Züchtern geschätzt wurde. 2007 ernannte ihn die KFPS-Jury zum Kampioen der Hengstenkeuring, im Laufe seiner Deckkarriere zeugte er zahlreiche hochprämierte Nachkommen (54% Sterstuten, 15 Kroontöchter , 12 Modeltöchter, 28 Sportpferde), 3 seiner Söhne wurden gekört (der ebenfalls 2016 verstorbene Jerke 434, der 2012 abgekörte Lutger 436 und der ausgesprochen schöne Junghengst Bartele 472). Als Muttervater lieferte er 2015 den Maurits 437-Sohn Markus 491, über seinen Sohn Jerke 434 hinterlässt er darüber hinaus seinen gekörten Enkelsohn Djoerd 473.

Auf dem zweiten Platz findet sich Olof 315, der mit 1007 Punkten ebenfalls auf eine eindrucksvolle Vererber-Karriere zurückblicken kann. Der bereits 2011 verstorbene Reitse 272 P-Sohn war als leistungsfähiges Sportpferd bekannt und vor allem in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre ein wahrer Züchterliebling. Obowhl nur ein einziger Sohn von diesem Hengst gutgekört wurde, konnte ebendieser eine wahre Dynastie begründen – wir sprechen von keinem Geringeren als Jasper 366 P! Würde man Olof 315 das Preferentprädikat zuerkennen, würden in seiner Linie damit 6 Preferenthengste direkt hintereinander stehen – Mark 232 P – Hearke 254 P – Reitse 272 P – Olof 315 – Jasper 366 P – Beart 411 P. Das wäre einzigartig in der Geschichte des KFPS.
Die Chancen dafür stehen gut, liegt der errechnete Soll-Wert für Olof 315 doch bei rund 900 Punkten – tatsächlich hat er aber bereits über 1000 Preferentschaftspunkte gesammelt.

Auf dem dritten Platz finden wir Doaitsen 420, der seit einigen Jahren wieder in seiner ursprünglichen Heimat, den USA, steht. Er war lange Zeit der beliebteste Deckhengst des KFPS und hält bis heute den Bedeckungsrekord in der KFPS-Geschichte. 2009 deckte er ganze 419 mal!
Seine große Beliebtheit bei den Züchtern brachte ihm im Laufe seiner Deckkarriere auch eine große Schar an Nachkommen und damit eine hohe Soll-Punktzahl in der Preferentschaftsberechnung ein. Noch hat er sein Soll nicht erfüllt, sein überaus großer Punktezugewinn in den letzten Jahren lässt aber hoffen, dass er es in den kommenden Jahren schaffen könnte, das ehrenvolle Prädikat ‘Preferent’ zu ergattern.

Spannend könnte es im Fall von Jakob 302 werden. Der 2012 im stolzen Alter von 27 Jahren verstorbene Sporthengst galt als einer der Wegbereiter für Friesen im Dressursport.

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Jakob 302 – leistungsstarker Sportvererber

Er liegt lt. Statistik knapp über seinem Soll und kommt somit evt. für eine Preferentschaft in Frage.

Ähnliches trifft auf den Tsjerk 328 P-Sohn Andries 415 zu. Auch er scheint die benötigten Punkte hauchdünn erreicht zu haben.

Schlußendlich sei noch Norbert 444 zu erwähnen. Zwar ist er mit 611 erreichten Punkten noch ein gutes Stück weit von einer möglichen Preferentschaft entfernt, allerdings ist die Geschwindigkeit, in der er Punkte sammelt, tatsächlich atemberaubend. Er ist der mit Abstand jüngste Hengst in den vorderen Rängen der Punktestatistik und es scheint kein Weg daran vorbeizuführen, dass er in absehbarer Zeit den begehrten Titel für sich beanspruchen kann. Bleibt zu hoffen, dass er sich seine Preferentschaft dann persönlich in Leeuwaarden abholt und das Publikum noch einmal mit seinem fantastischen Trab in Begeisterungsstürme versetzt.

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Norbert 444 – ein Kaiser unter Königen!

 

Die fantastischen Bilder stammen von Markus Neuroth / friesenwiki.de

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