News aus dem CO 2016

Das KFPS hat heute in einem ausführlichen Blogbeitrag auf die Stimmen vieler Beobachter reagiert, die die engen Verwandtschaftsverhältnisse der 5 noch im CO befindlichen Körkandidaten kritisieren.
Alle 5 Hengste stammen bekanntermaßen durch ihren Vater oder ihre Mutterlinie von Jasper 366 Sport Preferent ab, insgesamt war in den letzten Jahren zu beobachten, dass Jasper 366 durch die Erfolge seiner Nachkommen in der Zucht eine immer dominantere Rolle einnimmt.

 

Das KFPS weist in seiner Stellungnahme darauf hin, dass der größer werdende Einfluss dieses Hengstes der stärkeren Gewichtung auf Sportanlagen und Bewegung in der Zucht- und Körpolitik geschuldet sei – in diesen Punkten haben Jasper 366 und seine Nachkommen unzweifelhaft neue Maßstäbe gesetzt.
Trotzdem ist man sich auf Seiten der Vereinigung der Tatsache bewusst, dass die damit einhergehende Verengung des Genpools ein Grund zur Sorge ist, dem entgegen gewirkt werden müsse.

Aus diesem Grund weist das KFPS auch explizit darauf hin, dass Hengste mit unverwandter Blutführung im Körprozess mehr Chancen bekommen, der Blick der Jury sich also auch gezielt auf die Abstammung richtet.
Nichtsdestotrotz müssen auch unverwandt gezogene Hengste eine ausreichende Grundqualität mitbringen, um gekört zu werden – die Ankörung eines Hengstes allein aufgrund seiner Abstammung bzw. seines niedrigen Verwandtschaftsgrades sei sinnlos.

Im Falle des CO 2016 konnten die ausgewählten Hengste mit unverwandter Blutführung die notwendigen Qualitätskriterien lt. Stellungnahme des KFPS nicht erfüllen, und kamen insofern für eine Ankörung nicht in Betracht.

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Ich möchte mich zu diesem Thema auch persönlich äußern.

Es ist kritischen Beobachtern insbesondere seit den Jahren des “Friesenbooms” (ca. 2000 – 2008) nicht entgangen, dass sich die Friesenzucht insgesamt stark auf einige wenige Hengstlinien konzentriert. Neben Jasper 366 (und in weiterer Folge dessen Sohn Beart 411) sind in diesem Zusammenhang exemplarisch auch Feitse 293 bzw. Tsjerk 328, Leffert 306 und Doaitsen 420 zu nennen. Deck-, Nachkommens- und Körstatistiken weisen seit Jahren einen starken Überhang dieser Hengstlinien aus, wohingegen Hengste aus weniger bekannten oder leistungsstarken Linien – global gesehen – in zunehmendem Maße eine unbedeutende Rolle in der Friesenzucht spielen.

Die Körpolitik des KFPS ist dabei in meinen Augen aber nur eine Seite der Medaille. Natürlich würde eine Lockerung der Körkriterien mehr unverwandt gezogenen Hengsten die Möglichkeit bescheren, sich züchterisch zu beweisen – allerdings zu Lasten der qualitativen Standards und damit zu Lasten der Qualität der Gesamtpopulation an sich.

Ein anderer Blickwinkel sollte aber auch die Deckpolitik der Züchter in Betracht ziehen. Im Bereich der Friesenzucht herrscht – wie auch in den meisten anderen Bereichen der Tierzucht – die freie Marktwirtschaft, was unter Anderem bedeutet, dass Züchter selbstverständlich wirtschaftlich denken und sich über die Absatzmöglichkeiten der von ihnen gezogenen Pferde Gedanken machen müssen. In diesen Zeiten von schwierigen Wirtschaftsumständen auf dem Pferdemarkt kommt hinzu, dass sich die Aufzucht eines Fohlens nur lohnt, wenn dieses später aufgrund entsprechender Qualität auch zu einem Preis veräußert werden kann, der zumindest die getätigten Investitionen wirtschaftlich abdeckt.
Die logische Konsequenz für Züchter scheint insofern zu sein, sich auf Hengste zu verlassen, die einerseits qualitativ gute (und damit zu höheren Preisen veräußerbare) Nachkommen versprechen, zum anderen aber auch die entsprechende “Publicity” mitbringen, sodass der Name des Vaters des Zuchtproduktes de facto als Werbeträger dienen kann. Daraus ergibt sich in logischer Konsequenz eine Positivspirale in der öffentlichen Wahrnehmung einiger Hengste, an der auch die einschlägigen Medien und Berichterstatter (und da nehme ich mich nicht aus) eine Mitverantwortung tragen.

Dass diese öffentliche Wahrnehmung nicht zwangsläufig der Realtität entsprechen muss, zeigt – in meinen Augen – sehr deutlich das Beispiel Stendert 447. Dieser Hengst wurde bereits kurz nach seiner Körung in Friesenkreisen hochgelobt (aufgrund seiner zweifellos hervorragenden Abstammung mit einer durchgängigen Model-Mutterlinie) und war dementsprechend in seinen ersten Deckjahren überaus beliebt bei den Züchtern. Die Ernüchterung folgte schließlich mit den ersten 3-jährigen Körungspferden, die die hohen Erwartungen bei Weitem nicht erreichen konnten, was wiederum in einem als enorm zu bezeichnenden Einbruch der Deckzahlen von Stendert 447 resultierte. Bis dahin hatte dieser Hengst in seinen ersten 4 Deckjahren aber bereits über 750 Stuten gedeckt, mehr als alle seine Konkurrenten aus dem selben Körjahrgang.

Andere Hengst erhalten die öffentliche Aufmerksamkeit nicht in diesem Ausmaß und sind auch deshalb häufig bei Weitem nicht so erfolgreich in der Statistik – die fehlende Inszenierung in der Öffentlichkeit führt dazu, dass diese Hengste bedeutend weniger Chancen bekommen, hochkarätige Zuchtstuten zu decken und ihr Image somit durch qualitativ überzeugende Nachkommen aufzuwerten. So geschieht es, dass sich manche Hengste über viele Jahre hinweg nicht gegen die medial überrepräsentierte Konkurrenz behaupten können, obwohl sie nach Qualitätskriterien nicht bedeutend schwächer vererben würden und zusätzlich andere, weniger verwandte Blutlinien verstärkt in die Population einfließen lassen könnten.
Für diese Hengste dreht sich die Spirale der öffentlichen Wahrnehmung insofern abwärts.

Was ist nun die Conclusio aus meinem Monolog?
Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dem zweifelsfrei gegebenen medialen Ungleichgewicht in Bezug auf die Popularität der friesischen Deckhengste entgegen zu wirken und nehme diese Stellungsnahme des KFPS zum Anlass, meine persönlichen Bemühungen auch vermehrt in den Dienst der eher unterrepräsentierten Vererber zu stellen.
Vielleicht erreiche ich auch den einen oder anderen Züchter oder potentiellen Friesenkäufer damit und kann somit dazu beitragen, dass manche Hengste in Zukunft mehr Aufmerksamkeit auch von dieser Seite erhalten.

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