Bericht zur österreichischen Friesenzuchtschau 2016

Am Sonntag, den 04.09.2016 ging die alljährliche Zuchtschau der Friesenfreunde Österreich und damit ein Fixstern der österreichischen Friesenszene über die Bühne.

Im Vergleich zu den letzten Jahren waren die Meldezahlen leider etwas gering ausgefallen, insgesamt waren 29 Pferde zur Körung gemeldet, 3 weitere sollten in der IBOP starten.

Als Richter fungierten zwei hochverdiente Größen des KFPS, zum einen Fr. Louise Hompe, ihres Zeichens seit 1985 Körmeisterin des KFPS und selbst erfolgreiche Friesenzüchterin (Stal fan ‘e Grupstal). Zum anderen reiste Hr. Pieter Bergsma aus Holland an, der bereits seit 43 Jahren Friesenpferde auf Körungen richtet.

 

Die Zuchtschau begann – wie auch in den letzten Jahren – morgens mit den IBOP-Aufgaben. Den Anfang machte der Sterhengst Wijnand van de Zwarte Diamant unter seiner Besitzerin Sarah Fritzenwanker. Der 9-jährige Fabe-Sohn zeigte sich routiniert und gelassen im Viereck und konnte seine Prüfung mit schönen 75,5 Punkten beschließen.
Es folgte die überaus attraktive Stb-Stute Juliette, eine Tochter von Uwe 458 aus einer Stermutter von Lukas 324 im Besitz der Familie Horky-Haas. Die junge Stute (*2011) überzeugte durch ihre spektakuläre Vorhandaktion, wirkte aber insgesamt noch etwas zu wenig routiniert und angespannt. Mit schönen Einzelnoten erreichte sie schließlich 74,5 Punkte.

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P. Bergsma, L. Hompe & FFÖ-Obfrau A. Mangweth
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Juliette Stb Ster (Uwe 458 x Lukas 324) in der IBOP

Die Körung selbst begann traditionell mit der Prämienkörung der Hengstfohlen. Von 5 gemeldeten Fohlen waren 4 anwesend und wurden der Jury vorgestellt.
Den Anfang machte der Pier-Sohn Amadeo von Silbermann, ein überaus hochbeiniges Hengstfohlen mit sehr schöner Halsung und überzeugenden Gängen. Auch die Mutterstute Ada vom Lindenbaum Ster, gezogen nach dem kürzlich verstorbenen Onne 376 hinterließ einen bleibend guten Eindruck und so konnte der junge Hengst sich nicht nur reichlich Applaus aus dem Publikum, sondern auch eine 1. Prämie und die Einladung in den Kampioensring der Fohlen sichern.

Es folgte ein weiterer Abkömmling der beeindruckend starken Hengstlinie Jasper-Beart-Pier in Form eines Sohnes des erst 2014 gekörten Jouwe 485. Albert vom Hallmooshof, gezogen aus einer jungen Sterstute (*2012) nach Tsjalle zeigte sich sehr gut entwickelt, mit langen Linien und beeindruckender Größe. Die Jury belohnte seinen sehr spritzigen und verspielten Auftritt mit einer 2. Prämie.

Mit Katalognummer 004 präsentierte sich Alwin St. der Jury. Der Sohn von Alwin 469 hatte zwar offenbar reichlich Flausen im Kopf und amüsierte das Publikum mit seinen Kapriolen, trotzdem ließ der gut entwickelte, elegant gebaute Junghengst auch seine Qualitäten in den Gängen sehen und erreichte ebenfalls eine 2. Prämie. Seine Mutter Uneke ‘fan Panhuys’ (*2006) brachte übrigens den typischen Charme der Jasper-Töchter mit in die Halle und begeisterte mit ihrem reichen Behang und der langen, eleganten Halsung.

Als letztes Hengstfohlen wurde ein Sohn des ausgesprochenen Qualitätsvererbers Bartele 472 in die Halle geführt. An der Seite seiner Mutter Tetske van ‘t Speyksbosch (*2006 v. Beart 411 Pref.), deren Tochter Metske van ‘t Speyksbosch (v. Norbert 444) 2015 als 3-jährige eine 1. Prämie, das voorl. Kroon und den Reserve-Kampioenstitel in Stadl-Paura gewinnen konnte, präsentierte sich der kompakte und mit viel Souplesse ausgestattete Barrique vom Pilzhof aus der sehr erfolgreichen Zucht von Hrn. Peter Lackner aus Filzmoos.
Der junge Hengst war zwar ein ganzes Monat jünger als seine Konkurrenten, konnte die Jury aber trotzdem überzeugen und sich eine 2. Prämie sichern.

 

 

Den Anfang bei den Stutfohlen machte mit Katalognummer 006 die Tonjes-Tochter A. Lillifee von der Nockalm. Sie präsentierte sich gut entwickelt mit starker Halsung, ließ aber im Trab etwas wenig Schwebephase sehen. Die Jury bedachte das Stutfohlen aus einer Sterstute des beliebten Fabe mit einer 3. Prämie.

Mit der Kopfnummer 007 präsentierte sich Brenda fan Kippenburg, eine Alke 368 x Ster v. Mewes 438 gezogene Stute im Besitz der Familie Mangweth (Friesen vom Goldseehof). Das hochbeinige Stutfohlen zeigte sich flott und spritzig und wurde mit einer schönen 2. Prämie belohnt.

Als nächstes zeigte sich ein weiteres Fohlen von Bartele 472. Ayse fan Limbach, gezogen von der Fam. Prexl aus einer bemerkenswert schönen Sterstute nach Hinne 427, präsentierte sich sowohl im Exterieur als auch in der Bewegung in Perfektion. Höchst elegant mit perfekter Oberlinie und einem Übermaß an Souplesse, Takt und Raumgriff in der Bewegung, überzeugte dieses Traumfohlen auch die Jury und erlangte eine wohlverdiente 1. Prämie und die Einladung in den Veulenkampioensring.

Aamina M. mit der Katalognummer 009 wurde anschließend in den Ring geführt. Diese Tochter von Epke 474 schien noch etwas unterentwickelt was die Muskulatur anbelangt, auch ihre Mutter, eine Stb-Stute nach Herman 359 entsprach diesem Bild. Trotzdem präsentierte sich das zierliche, hochbeinige Stutfohlen gut und wurde mit einer 2. Prämie belohnt.

Den Abschluß der Fohlenkategorien machte ein weiteres Stufohlen aus dem Hause Prexl / Friesen Exklusiv. Clavia fan Limbach, eine Tochter des Ausnahmehengstes Beart 411 Pref. aus der überaus schicken, kalibrigen Jerke 434-Tochter Inske van de Lage Landen (*2010) entzückte als jüngstes Fohlen im Ring (immerhin erst am 29.06.2016 geboren!) mit ihren immens langen Beinen, dem ausdrucksstarken Kopf und ihrem raumgreifenden, elastischen Trab. Auch ihr wurde eine 2. Prämie zuteil.

Im Ring um die Veulenkampioene durften sich dann die Katalognummern 002, Amadeo von Silbermann und 008, Ayse fan Limbach nochmals der Jury und dem Publikum präsentieren. Beide Fohlen konnten abermals ihre hohe Qualität unter Beweis stellen, in einer knappen Entscheidung entschieden sich die strengen Körmeister aber dann dafür, den Titel der Veulenkampioene 2016 an Ayse fan Limbach zu vergeben.
Für die Besitzer und Züchter des Stutfohlens, Fam. Prexl aus dem niederösterreichischen Strengberg ist dies bereits der zweite Kampioenstitel. 2015 konnte ihr ebenfalls nach Bartele 472 gezogenes Hengstfohlen Wilko fan Limbach ebenfalls eine 1. Prämie und den begehrten Titel abräumen.

Die Prämienkörungen der erwachsenen Pferde begannen mit Rubrik 5, den 4-jährigen und älteren Fohlenbuchstuten.

Mit Katalognummer 011 eröffnete die 4-jährige Stute Noralie den Reigen. Diese Tochter von Haitse 425 aus einer Stermutter von Brend 413 präsentierte sich mit einer aktiven Hinterhand und raumgreifenden Bewegungen, ließ jedoch etwas Aufrichtung in der Bewegung vermissen. Die Jury gutierte ihre Qualität mit einer 2. Prämie und dem begehrten Prädikat Ster.

Als zweites trat Mary Lu vom Goldseehof vor die Jury. Die bestechend schöne Stute nach Haitse 425 aus einer Stermutter von Onne 376 war zwar im Exterieur überaus ansprechend, fiel aber leider durch eine Taktstörung in der Bewegung auf, weshalb die Jury sich dazu entschied, die Stute nicht in das Stammbuch aufzunehmen.Das Friesenpanorama drückt die Daumen, dass es beim nächsten Mal klappt!

Die ebenfalls 4-jährige Kopfnummer 012, Madelientje Ris., beschloss die relativ kleine Gruppe der Rubrik 5. Diese Stute ist eine Tochter des von mir persönlich sehr geschätzten Aan 416 aus der Modelstute Nynke Ris. von Brend 413. Mit beeindruckender Größe und soliden Bewegungen wurde das Pferd ins Stammbuch aufgenommen, erhielt jedoch keine Prämie.

Mit Rubrik 6 begann anschließend ein jährliches Highlight, die Prämienkörung der 3-jährigen Fohlenbuchstuten. Hier zeigen sich jedes Jahr die “rising stars” der Zucht, gleichermaßen ist diese Gruppe immer wieder ein guter Indikator für den Qualitätslevel der regionalen Friesenzucht.

Den Anfang machte die Stendert-Tochter Rachel Boszorg. Diese kompakte Stute mit etwas kurzer Halsung war im Ring sehr nervös und ließ deshalb nur wenig von ihrem Potenzial sehen. Trotzdem wurde ihre Grundqualität mit einer Aufnahme in das Stammbuch und einer 3. Prämie belohnt.

Es folgte Setske fan ‘t Speyksbosch, eine Norbert 444 x Beart 411 gezogene Vollschwester zur Reservekampioene des Vorjahres, Metske fan t’ Speyksbosch. Im Vergleich zu ihrer Schwester konnte die kalibrige Stute leider nicht mit übermäßig viel Souplesse aufwarten und zeigte sich in der Bewegung zwar solide, jedoch nicht mit der gewünschten Ausdrucksstärke. Ihr guter Rassetyp bescherte ihr dennoch eine Aufnahme in das Stammbuch mit einer schönen 3. Prämie.

Eine weitere Norbert-Tochter schloß an, diese Stute jedoch aus einer Stermutter von Olof 315 gezogen. Petra fan Tersoal zeigte sich solide, jedoch etwas abwärtsgebaut und mit weichem Rücken, obgleich sie in der Bewegung eine gute Aufrichtung sehen ließ. Auch sie wurde mit einer 3. Prämie in das Stammbuch aufgenommen.

Rivana vom Hötzihof, eine weitere Tochter von Stendert 447, gezogen aus der ebenfalls in Österreich geborenen Kiss vom Pilzhof Ster (Onne 376) präsentierte sich in der Bewegung zwar mit gutem Raumgriff und durchaus eleganter Ausstrahlung, hinterließ aber insgesamt den Eindruck fehlender Muskulatur. Ihre Grundqualität wurde mit einer Aufnahme in das Stammbuch gewürdigt, eine Prämie konnte sie jedoch nicht erreichen.

Mit Sierra van de Hondshoeve folgte eine äußerst ansprechende Tochter des Publikumslieblings Pier 448. Auffallend an dieser Stute, die aus einer Sterstute von Fetse 349 stammt, ist ihr ausgesprochen guter Rücken und der ansprechende Kopf. Auch in der Bewegung zeigte sich die Jungstute sehr ansprechend mit aktiver Hinterhand, genügend Aufrichtung und Raumgriff und erreichte somit eine sehr schöne 2. Prämie und das Prädikat Ster.

Den Abschluss der Rubrik bildete die in Österreich von Peter Lackner gezogene Soleil vom Pilzhof. Diese hochbeinige Stute fällt bereits auf den ersten Blick durch ihren ausdrucksstarken Schritt und die überaus ansprechende Aufrichtung auf. Die Tochter von Stendert 447 aus der erfolgreichen Zuchtstute Liv vom Pilzhof Ster (v. Onne 376) erreichte 2013 als Fohlen in Stadl-Paura bereits eine 1. Prämie und wurde damals zur Veulenkampioene ernannt, 2015 erreichte ihre Vollschwester Madeira vom Pilzhof (*2012) eine 1. Prämie und das Prädikat voorl. Kroon sowie den Titel der Zuchtschaukampioene 2015.
Auch in diesem Jahr konnte Soleil ihre Qualitäten unter Beweis stellen. Mit eindrucksvoller Aufrichtung und überaus ausdrucksstarken, getragenen Bewegungen überzeugte sie die Jury. Sie erhielt das Sterprädikat mit einer 2. Prämie und wurde schließlich im Kampioensring zur Zuchtschaukampioene 2016 ernannt.

 

Mit Rubrik 7, den 4-jährigen und älteren Stammbuchstuten zur Graderhöhung, stellte sich die zahlenmäßig größte Gruppe von Pferden den fachkundigen Augen von Louise Hompe und Pieter Bergsma.

Den Anfang machte die 12-jährige Nynke fan it Jaachpaad von Gerald Kandler. Diese Stute, in Holland gezogen aus relativ klassischen Linien (Folkert 353 x Ster v. Krist 358) präsentierte sich im klassischen Typ und in guter Kondition, konnte aber aufgrund ihres etwas weichen Rückens und der hohen Taktfrequenz in der Bewegung keine Prämie erlangen.

Die zweite Starterin der Rubrik war die bereits in den Morgenstunden im IBOP gestartete Juliette, eine Tochter von Uwe 458 aus einer Sterstute von Lukas 324. Die erst 5-jährige, prächtige Stute bestach durch ihren guten, starken Rücken und ihre ausdrucksvolle Bewegung mit guter Aufrichtung und aktiver Hinterhand. Auch die Jury zeigte sich angetan und belohnte die Qualität der Stute mit einer 2. Prämie und dem Sterprädikat. Im Kampioensring konnte sich Juliette dann auch noch den Titel der Reservekampioene 2016 sichern.

Mit einer Tochter des diesjährigen Kampioen der Hengstenkeuring, Tsjalle 454, ging das Programm weiter. Die 5-jährige Lois fan Stal Bellefleur, deren Mutter Ylze fan Stal Bellefleur (v. Haitse 425) sich 2014 in Stadl-Paura ihr Sterprädikat verdiente, präsentierte sich als eine typische Tsjalle-Tochter, kompakt und elegant gebaut, mit edler Halsung und sehr ansprechendem Kopf. Ihren etwas hohen Bewegungsrhythmus machte sie durch eine ausdrucksstarke Vorhand und viel Souplesse wett und konnte sich damit eine sehr schöne 2. Prämie und das Sterprädikat verdienen.

Mit Katalognummer 023 betrat Naomi von der Wolfskaut den Ring. Die 4-jährige Stammbuchstute ist eine Tochter des legendären Jasper 366 Pref. aus einer sterpreferenten Stute nach dem ebenfalls sehr bekannten Sporthengst Jakob 302. Der großrahmigen, kalibrigen Stute fehlt es nicht an Aufrichtung, Takt und Raumgriff, allerdings präsentierte sie sich mit etwas weichem Rücken und strahlte nicht das gewünschte Maß an Jugendlichkeit aus. Aus diesem Grunde vergab die Jury keine Prämie an diese sehr solide Jasper-Tochter.

Als vorletzte Stute der Rubrik 7 stellte sich eine weitere Tochter von Stendert 447 der Jury. Melodie im Besitz der Fam. Mangweth stammt aus einer D-Buch-Stute, deren Vater der Fohlenbuchhengst Abel Boszorg ist. Diese zierliche, elegante Stute ließ, neben ihrem schönen Kopf und dem sehr eleganten Halsaufsatz, im Trab viel Takt, eine aktive Hinterhand und eine ausdrucksstarke Vorhand sehen, im Schritt präsentierte sie sich außerordentlich gut, was ihr eine 2. Prämie und das Sterprädikat einbrachte.

Den Abschluss der Stammbuchstuten machte mit Kopfnummer 025 die Sake 449 x Ster v. Tsjalke 397 gezogene Nora vom Friesenhof Altmark im Besitz von Klaus Andexer. Diese etwas abwärts gebaute, langrückige Stute fiel vor allem durch ihre mächtige Halsung auf. In der Bewegung fehlte es ihr leider an Souplesse und Ausdruck. Die Jury bedachte sie mit einer guten 3. Prämie.

In der Rubrik 9 präsentierte sich eine einzelne Sterstute den kritischen Auigen der Juroren. Die 8-jährige Tsjalke-Tochter Cléo S.A., deren Stermutter nach Brandus 345 Pref. gezogen ist, imponierte durch Größe und Kaliber und ließ reichlich Bewegung sehen. Die Jury bestätigte ihre 2. Prämie.

Den Abschluss der Körung bestritt der 4-jährige Vb-Hengst Morgenstern von der Nockalm aus der Zucht von Elisabeth Schneeweiss. Der Stendert 447 x Onne 376 gezogene Junghengst präsentierte sich in schöner Kondition und mit reichlich Machismo. Besonders seine elegante Aufrichtung und die ausgesprochen kraft- und ausdrucksvolle Bewegungsmechanik machten ihn zu einem echten Hingucker und brachten ihm das verdiente Sterprädikat ein.

Die komplette Zuchtschau findet ihr zum Nachsehen auf meinem Youtube-Kanal!

 

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